Samstag, November 12, 2005

Hektik? Nein Danke!

Ich habe schlecht geschlafen! Egal ob in Hongkong, in Tokio oder zu Hause in der Schweiz, wenn ich schlecht gepennt habe bin ich gereizt.
Erschwerend kommt dazu, dass es in den Strassen in Hongkong von nervösen Menschen nur so wimmelt, das Thermometer schon über 30° gestiegen und zu allem Elend noch Samstag ist. Am Wochenende sind schon früh am Morgen alle meine Lieblingsplätze in den Starbucks besetzt, die Büros haben die offenen Internetnetze nicht eingeschaltet und alle ausser mir sind glücklich. MAN BIN ICH GEREIZT!

Nach einigen Kaffee Latte im Stehen(!) läuft mein Motörchen schon etwas runder und zum ersten Mal am heutigen Tag bemerke ich, dass sich über Hongkong ein seltenes Naturschauspiel ereignet. Blauer Himmel, das habe ich in dieser Stadt schon lange nicht mehr gesehen. Mein Gemüt erhellt sich ein wenig und so etwas wie Unternehmungslust kommt auf. Die Strassen in, um und unter Hongkong sind heute absolut Tabu. Wie in jeder Metropole dieser Erde strömen am Samstagmorgen Heerscharen von Männlein und Weiblein (aber vor allem Weiblein) in die Einkaufstempel der Stadt und verbreiten eine Hektik, die ich in meinem aktuellen labilen Zustand keine Sekunde ertrage.

Lamma heisst die Lösung! Ich meine weder Dalai Lama noch das gemütliche Tier, sondern die ebenso beruhigende Insel 30 Bootsminuten von Central entfernt.
Schon das Tuckern des alten Sulzer Diesels hat mein Gemüt in den grünen Bereich zurückgebracht und mit dem iPod im Ohr habe ich dem letzten Passagier an Bord klar gemacht, dass ich absolut keine Lust auf Smalltalk habe – ABSOLUT KEINE! Die Taktik funktionierte tadellos.

Leicht entspannter als ich den Tag gestartet habe, bin ich am Hafen von Yung Shue Wan angekommen.
Als ich dann noch ein gemütliches Strandkaffee mit einem offenen Netz und Fässer voller Cappuccino gefunden habe, war der Tag definitiv gerettet!
Zwischen streunenden Hunden, verwirrten Touristen und stinkenden Fischernetzen schreibe ich diesen Bericht, meine Kaffeetasse ist noch dreiviertel voll, der Wind sorgt für angenehmes Klima, ich werde in Kürze den rund 60 minütigen Spaziergang zum anderen Hafen in Angriff nehmen und bin restlos zufrieden.

So sieht die Welt doch wieder ganz anders aus und der Schlafmangel vermag meine Lebenslust nicht mehr zu trüben.

„He, habt ihr alle gesehen, ich habe meinen iPod ausgeschaltet. Man kann wieder mit mir reden!“

Kommentare:

  1. Schöne Grüsse nach Hong Kong und ich hoffe, dass Du einen schönen Spaziergang hattest :-)

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  2. Sie sind sauer und schreiben doch so locker und leicht - Respekt Herr nff!
    Da braucht man nicht mehr selbst verreisen, sondern lässt sich von Ihnen einfach mitnehmen.

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  3. Ich hab mal auf einem Flug von weiss-nicht-mehr-wo nach Zürich einen ECHT gereizten Piloten erlebt. Zuerst hat er relativ sachlich die Passagiere informiert, er könne noch nicht landen, es gebe eine Warteschlaufe. Und am Schluss war er derart sauer, dass er hemmungslos über den Unique Airport Zürich (oder wie der jetzt heisst) gewettert hat. Ich fand das irgendwie witzig. Warst das etwa du nach einer schlaflosen Nacht? ;-)

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