Mittwoch, Oktober 05, 2005

Vorbereitung auf STBY Duty


Morgen Donnerstag, 0500 Uhr gilt es wieder ernst. Das Telefon muss eingeschaltet sein und ich werde zwölf Stunden lang sprungbereit da stehen, um bei Besatzungsengpässen für einen fehlenden Copiloten einzuspringen.
Wie in fast jedem Bereich des Lebens, kann durch gute Vorbereitung der Stressfaktor markant gemindert werden. So sind z.B. die Flugunterlagen für Reisen in alle Himmelsrichtungen bereit, die Copilotenstreifen schon am Uniformhemd und der Gillette Mach17 für die abendliche Rasur frisch geschärft.
Herbst ist nicht die schlechteste Zeit für Bereitschaftsdienst. Man muss weder mit arktischen Stürmen in Montreal noch mit saunakompatiblen Temperaturen in Jeddah rechnen. Das zu erwartende Temperaturband bewegt sich so zwischen 15°C in Boston und 40°C in Saudi Arabien und das macht das Packen der Koffer um einiges leichter.
Neben den Kleidern gehört natürlich auch das überlebenssichernde Zubehör in den Koffer. Literweise Anti-Mückenmittel für die Malariagebiete in Afrika sind ebenso ein ‚must’ wie Unterhaltungsmaterial für schlaflose Nächte in Japan.
Etwas erschwerend kommt dazu, dass in den muslimischen Gegenden der Ramadan begonnen hat. Grund genug die eingepackte Literatur vorsichtig zu überprüfen! Sittenwächter haben es besonders auf barbusige Bilder abgesehen. Als Lesestoff haben ich einen Roman von Martin Suter eingepackt. Süffig zu lesen ohne allzu süffige Illustrationen – der schlüpft sicherlich durch die Kontrolle der Religionspolizei. Weltwoche, Stern und die Zeit kommen erst Morgen an die Kioske und sind die grossen Unbekannten. Die deutschen Erzeugnisse befassen sich sicherlich noch immer mit der grossen Koalition und das hat weder im erotischen noch im eigentlichen Sinne etwas mit dem ähnlich klingenden Wort Koitus zu tun und sollte darum nicht in der Zensur hängen bleiben.
In der Weltwoche ist der einzig unanständige Artikel die Kolumne von Mörgeli und ich zähle jetzt einmal darauf, dass die muslimischen Gesetzeshüter dem Deutsch nicht mächtig sind und den Text nicht deuten können. Nicht vergessen darf man während des Ramadans die Ohrenstöpsel. Muslimische Geistliche haben das unangenehme Bedürfnis, in aller herrgottsfrühe – Pardon, mohammedsfrühe, von hohen Zinnen aus das Morgengebet zu verkünden. Klingt in meinen Ohren so unangenehm, wie für einen muslimischen Gast in unserem Land die allviertelstündlich erklingenden Kirchglocken.
Eine besondere Vorbereitung erfordert aber diesmal die Destination Miami. Seit das neue Gesetz in Kraft ist, das Bürgern erlaubt, sich mit aller Waffengewalt bei Bedrohung zu verteidigen, bezeichne ich nicht mehr die Malariamücke Anopheles als meinen Hauptfeind während meiner Arbeitszeit.
Wie soll ich mich bloss verhalten? Lese ich z.B. in einem Starbucks die Mörgeli Kolumne oder ein Mail vom Management und ärgere mich dabei grün und blau - ich könnte glatt von einer 45-er Magnum niedergestreckt werden. Jogge ich z.B. am Strand entlang und kann wegen dem mexikanischen Essen vom Vorabend meine übelriechenden Winde nicht zurückhalten - ein Vietnamveteran könnte einen Giftgasanschlag vermuten und mich mit einer Salve aus einer Uzi niedermähen.
Man stelle sich einmal vor was passieren würde, wenn ich am Abend in einem Restaurant einen Sekundenbruchteil zu lange in die Augen der Tischnachbarin schaue, die neben einem frustrierten SUV-Fahrer sitzt, dem gerade das Geld für den Treibstoff seines Vehikels ausgegangen ist. Mir wird Angst und Bange!
Das sind echte Probleme, für die ich im Moment keine Lösung bereithabe. Doch was mache ich mir Gedanken, Morgen geht gar kein Flug nach Miami und vielleicht bleibt das Telefon den ganzen Tag ruhig.

Kommentare:

  1. Das Foto erinnert mich an einen wunderbaren Flug nach Dubai, danke dafür! Bei diesem Post musste ich mehrmals wirklich herzhaft lachen, vorallem bei Deinen "Sorgen" was die USA angeht. Manchmal fragt man sich unweigerlich, wie verrückt ein Volk noch werden kann, welche Kapriolen als nächstes kommen und wer davon profitiert, in welcher Hinsicht auch immer. Ramadan? Ich empfinde die Rufe des Muezzin als nicht mehr so schlimm, meist dreh ich mich um und schlafe weiter. In seltenen Fällen allerdings lausche ich auch diesem halb melodischen Singsang, der ja nicht so lange dauert, aber das ist Ansichtssache ;-)

    Liebe Grüsse !

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  2. Oh oh wenig Sinn für die Wirtschaft? Die Lackspuren am Baum werden weggehen, allerdings freut sich irgendein Lackierer über die Arbeit ... Der Computer wird der VRG gerecht und die Branche freut sich über ein neues verkauftes Teil. Da sieht mans doch: Dampf ablassen könnte die Wirtschaft ankurbeln!

    Gute Nacht ;-)

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