Samstag, September 10, 2005

Sudoku

Meine Frau ist süchtig, viele meiner Kapitäne sind süchtig, Flight Attendants sind süchtig und Zeitungsmacher sind süchtig. Wo man hinschaut, versuchen sonst durchaus romantische und kommunikative Persönlichkeiten Zahlen hin und her zu schieben und erdulden während des Ausfüllens der Vierecke keinerlei Störung. Sudoku nennt sich das mir unbekannte Logikrätsel und fasziniert ausser meiner Wenigkeit Gross und Klein.
Ich verhalte mich wie immer, wenn ich einen Trend verschlafen habe. Im Moment befinde ich mich in der Phase der Ignoranz. Ich ignoriere einfach die Faszination des Spieles und gebe mich cool gegenüber der Anziehungskraft der Zahlenquadrate.
Das habe ich schon mit Erfolg in den 80er Jahren bei der Bancomatkarte, in den 90er Jahren beim Natel und letztes Jahr mit dem iPod durchgezogen. Diese Phase der Ignoranz ist ganz ok. Man fühlt sich überlegen, trendresistent und irgendwie abgeklärt.
Wie die Temperaturen im Frühling steigt dann irgendwann die Neugierde rapide an. Plötzlich bleibt der Blick an den Quadraten in der Zeitung hängen, die Spielanleitung wird überflogen, Leute beim Knobeln beobachtet, Nachbarn nach der Faszination gefragt und immer deutlicher darauf hingewiesen, dass man sich überhaupt nichts aus dem neuen Volkssport macht. Das nennt man die Phase der Transformation. Die Prinzipien siegen im Moment noch über die Neugierde und den Drang den neuen Trend auszuprobieren. In dieser kurzen Transformationsphase erklärt man zum Beispiel seinem besten Freund, der innerhalb Minutenfrist 200 Franken aus dem Geldautomaten bezieht, dass so eine unpraktische Plastikkarte nie den persönlichen Kontakt zum Schalterbeamten ersetzen kann und ein weltoffener Zeitgenosse grundsätzlich immer genügend Bargeld auf sich trägt. Oder man lobt die Vorteile der stinkenden Telefonkabinen gegenüber den aufdringlichen Mobiltelefonen, die sowieso viel zu teuer sind und die Umwelt mit Elektrosmog verpesten.
Die Zeit kommt, wenn selbst der Prizipientreuste einmal völlig blank vor einem geschlossenen Bankschalter steht, die einzige Telefonzelle weit und breit demoliert und die Busfahrt so langweilig ist, dass man sich nach ein bisschen Musik im Ohr sehnt. Die Phase der Rechtfertigung beginnt. Zum Glück bieten sich unzählige Gelegenheiten, wo sich die Vorteile der nicht mehr ganz neuen Trends offensichtlich zeigen und der Zweifler zumindest seine aufgeflammte Neugierde gegenüber den vorher verschmähen Gegenständen entschuldigen kann. Es ist die Zeitspanne, wo Bankomatkartenanträge diskret in der Mappe verschwinden, im Media Markt mit hochgeklapptem Kragen die Mobilfunkabteilung besucht und im Crew Bus voyeuristisch dem Flight Attendant auf dem Vordersitz zugeschaut wird, wie diese virtuos den iPod bedient.
Der Schritt zum Ausfüllen des Kartenantrages und zum Kauf des Mobiltelefones bzw. des iPod ist dann nicht mehr gross. Es beginnt die Phase der Inkonsequenz. Die Bancomatkarte verschwindet routiniert im Geldbeutel, das Handy wird benutzt als wäre es ein eigenes Körperteil und das weisse iPod Kopfhörerkabel hängt beim Gang durch die belebten Strassen lässig aus der Jeansjackentasche. Weder den Betroffenen noch das Umfeld stört dieser Wankelmut. Denn schon längst ist ein neuer Trend am aufflammen und der Prinzipienreiter kann neuerlich beweisen, wie resistent er gegenüber dem neusten Hype ist.Zurück zum Sudoku, weiterhin löse ich mit grossem Eifer die diversen Kreuzworträtsel und bin noch immer davon überzeugt, dass stupides Herumschieben von Zahlen dem anspruchsvolleren Suchen nach Synonymen und Wortwendungen total unterlegen ist. Liege ich falsch? Die nächsten Wochen werden es zeigen.

1 Kommentar:

  1. Japanisches Rätselspiel mit 6 Buchstaben??? Soduko, Sudoko, ...! Ach was, nehmen wir einfach Fillomino!

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