Mittwoch, September 14, 2005

ÄSSYUUWEE

Sie sind nicht mehr aus unserem Strassenbild wegzudenken, verstopfen die engen Gassen, brauchen gleich zwei Parkplätze und saufen Fässer voller Benzin. SUV oder ausgeschrieben Sport Utility Vehicle, nennen sich die aufgemotzten Geländewagen.
Sobald die Garagenzufahrt steiler als 2% ist, werden in den Familienräten die Budgets überprüft und über die Anschaffung eines dieser Wunderautos gesprochen. Endeten früher solche Diskussionen über Autokäufe häufig vor dem Scheidungsrichter, sind heutzutage die Frauen ganz und gar nicht abgeneigt, einen solchen Zivilpanzer zuzulegen.
Da wundert es einem auch nicht, dass der Coop Parkplatz am Vormittag aussieht wie an einem Treffen eines Geländewagenclubs im Berner Oberland. Meine Nachbarin hat einen, Elvira Colani hat einen, unser Gärtner hat einen (kann ich verstehen), mein Zahnarzt hat einen (kann ich nicht verstehen) und ich habe bald einen.
Ja, ihr habt richtig gelesen. Ich habe mich entschieden, nächstes Jahr eines dieser ÄSSYUUWEE’s zu kaufen. Auch ich werde älter und auch ich habe meine Bedürfnisse mich zu verwirklichen. Schliesslich mache ich nächstes Jahr den wichtigen Schritt vom UVI (unter vierzig) zum UHU (unter hundert). Was passt da besser, als einen SUV zu posten?
Mein bereits geordertes Gefährt ist bulliger, grösser, gewaltiger, angsteinflössender und schöner, als alles andere was bis anhin auf unseren Wegen herumfuhr. Schon sein Name zeigt, wie kraftvoll er daherkommt. Ransom 10 nennt sich die Neuheit, die erst nächstes Jahr auf dem Markt erscheint. Ransom, englisch für Lösegeld, verlangt nach einem schwarzen Outfit mit hochgelegten Achsen. Und genauso präsentiert er sich: Karbonschwarz seine Hülle, extrem lang seine Federwege, Equalizer-TC-Dämpfer und Power Stabilizer sorgen für nie da gewesene Federung, das Intelligent Rebound Valve unterdrückt das Wippen und ein multifunktionell verstellbarer Sitz sorgt für Komfort bei langen Fahrten.
Natürlich hat so ein Gefährt auch seine Nachteile. Über den Preis rede ich lieber nicht, schliesslich ist es quasi ein Geschenk an mich selber. Aber die Grösse des Vehikels bereitet mir etwas Kopfzerbrechen. Ich weiss noch nicht, ob es in den dafür vorgesehenen Abstellplatz hinein passt. Doch was mache ich mir Sorgen? Bis zum Eintreffen des Fahrzeuges schaue ich jetzt jeden Abend den Prospekt des amerikanischen Herstellers an und träume von den langen Ausfahrten im nächsten Frühling. Warum bloss haben Träume immer so lange Lieferfristen? Ich kann es kaum erwarten, dass ich mein neues Mountainbike durch die Wälder dirigieren kann! Ein echtes Sports Utility Vehicle eben!

1 Kommentar:

  1. Tipps: Strukturiere deinen Text, dann ist er viel angenehmer zu lesen. Versuche auf den Punkt zu kommen, dann liest er sich nochmals angenehmer. Und steh zu deinem Namen. Ein Superverdiener wie du sollte sich das leisten können!

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