Mittwoch, Mai 18, 2005

von Zürich über Schengen und Dublin nach Montreal

Nach drei Wochen Ferien, hat mich heute Mittag nach langer Zeit wieder einmal ein Airbus in die weite Welt hinausgetragen. Das Wichtigste gleich vorweg: Das Verlassen des ‚hoffentlich-schon-bald-Schengen-Flughafens’ Unique verlief absolut problemlos. Doch schon nach wenigen Minuten erwartete uns der erste Ernstfall, die Schengen Aussengrenze nahte. Die Vogesen in Sichtweite, kam der französische Schlagbaum unweigerlich näher. Der 200 Tonnen schwere Airbus war immer noch im Steigflug und mir wurde angst und bange! Was erwartet uns wohl am Grenzübertritt zu Frankreich? Vermummte Polizisten und AUNS Aktivisten in Armee 61 Uniformen die uns zurückhalten wollen? Mich würde nichts überraschen, seit der letzten Arena Sendung bin ich vorsichtiger geworden.
Wider Erwarten stoppten uns keinerlei Hindernisse am Rande des grenzüberschreitenden Netzwerkes. Im Gegenteil, eine freundliche weibliche Stimme begrüsste mich auf 134.40 MHz, wünschte mir einen schönen Tag und lotste den Swiss Flieger etwa 150 km südlich des schmucken Luxenburger Städtchen ‚Schengen’ Richtung Ärmelkanal. Was für ein Gefühl! Schengen tut nicht weh, Schengen beisst nicht, Schengen ist friedlich - sogar den Schinken im Handgepäck haben sie mir gelassen……
Noch ist aber die Ruhe im Cockpit nicht eingekehrt. Kaum in diesen Verbund eingeflogen, stossen wir schon wieder an eine Aussengrenze. England nähert sich, ein Königreich das keine Meldepflicht kennt und Identitätskarten noch unbekannt sind, will nicht 100% in diesem Club mitmachen. Ist England ein AUNS-Paradies? Wohl eher nicht. Da regiert ein Linker und schickt seine Truppen ins Ausland statt Prinz Harry und Miss Beckham vor den Paparazzis zu beschützen. England kann also per Definition kein Patriotenparadies im urschweizerischen Sinne sein.
Die Felsen von Dover in Sicht, verabschiedet sich die charmante Kontrollerin von Paris und ein gestresster Brite übernimmt. Anweisungen kommen zackig und unmissverständlich. Die Ausreise aus dem inneren Schengengürtel ist wie erwartet hochkomplex, Richtungsänderungen werden befohlen, Flughöhen gewechselt und fliegende Hindernisse umkurvt. Zum ersten Mal habe ich Angst um meinen Schinken……
England befindet sich seit Jahrhunderten permanent im Krieg. Die IRA, die Mullahs, die Aargauer Fussballschiedsrichter, Lady Dianas Reitlehrer, das schlechte Wetter, die Fuchsjagdgegner oder die EU im generellen, jemand scheint dem Inselreich immer Schaden zufügen zu wollen. Da die Visakompatibilität noch nicht ganz gewährleistet ist, muss jeder ‚Intruder’ als potentieller Bösewicht betrachtet werden. Hoffentlich zwingt uns die Royal Airforce RAF nicht auf einer britischen Militärbasis zu landen – in Amerika passiert dies in letzter Zeit ja des Öftern. Ich blicke besorgt nach Links zu meinem Kapitän – ach du meine Güte, der trägt einen Bart – wenn das nur gut geht!
An den Instruktionen des Flugverkehrsleiters erkenne ich zu meiner Erleichterung, dass die RAF heute keine Lust hat wegen ein paar Berglern den heimeligen Stützpunkt zu verlassen – Glück gehabt!
‚Swiss eight-six, you’re cleared direct to Dublin – maintain high-speed!’ Ach Gott Dublin, auch das noch, wir werden also abgeschoben! Habe ich es mir doch gedacht, die Insulaner sind trotz Skepsis gegenüber Brüssel immer noch konsequent im Umsetzten der EU-Paragrafen.
Der irische Lotse übernimmt, setzt das nach der Hauptstadt benannte Gesetz subito um und befördert uns auf direktestem Weg auf den weiten Ozean hinaus Richtung Montreal.
Da bin ich nun mitten im Ozean auf 11’000m Höhe, esse meinen extrem gut durchgebratenen und zähen Truthahn, lasse mich von der Sonne blenden und denke über die Weltpolitik nach. Sollen wir beim Heimflug die Schengengebiete umfliegen oder gibt es noch andere Möglichkeiten? Umfliegen ist extrem kompliziert und scheitert letztendlich immer an der Tatsache, dass die Schweiz von Schengenstaaten umgeben ist. Mein Problem scheint unlösbar zu sein. Gibt es wirklich keine andere Alternative?

Ach ja, dass habe ich fast vergessen, es findet ja bald eine Abstimmung zu einem aussenpolitischen Thema statt. Vielleicht sollte ich meine Stimme abgeben und ein grosses JA auf das kleine Zettelchen schreiben. Tut es mir doch gleich, denn bei der Annahme beissen wir nicht in den sauren Apfel, wir beissen in ein süsses Luxenburgerli!

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