Mittwoch, April 06, 2005

viel Spass in Amerika

Nein, ich sitze zurzeit nicht in irgendeinem Starbucks in Amerika, sondern geniesse das traumhafte Wetter auf der Terrasse im Limmattal. Gearbeitet wird erst wieder Morgen und zwar in östlicher und nicht in westlicher Richtung.
Als vielgereister Mitmensch möchte ich meine Erfahrungen weitergeben und Euch einen möglichst guten Aufenthalt in fernen Gefilden ermöglichen. Gerade Reisen nach Amerika bedürfen einer ganz speziellen Vorbereitung. Wer allzu naiv in dieses Abenteuer steigt, kann dies später bereuen. Schon bei der Wahl des Reisedokumentes muss man vorsichtig sein. Ein roter Pass genügt schon lange nicht mehr für einen sorgenfreien Eintritt in das Land der Westernhelden. Gültig sollte er sein und maschinenlesbar. Wer noch stolz mit dem alten Dokument durch die Welt tingelt, braucht ein Visum der amerikanischen Behörden. Man bekommt dieses in der Botschaft in Bern. Vorsichtigen ,Visumsanträgern’ sei an dieser Stelle empfohlen, zuerst das ‚first certificate’ oder den ‚GMAT’ Test abzulegen und in der Stadt Bern ein Hotelzimmer für mindestens zwei Tage zu buchen.
Hat man einmal den leider noch nicht biometrischen Pass oder das Visa, geht es ans Packen. Seit ein ‚Bushcowboy’ an der Macht ist, wurde das Regelwerk für die Ein- und Ausreise immer dicker. Der neuste Gag ist ein striktes Verbot von Feuerzeugen auf den Flugzeugen, die nach Amerika fliegen. Rauchern sei empfohlen, Feuersteine und leicht brennbare Holzwolle als Notfallfeuerzeug auf sich zu tragen. Weiter sind jegliche Fleischwaren (Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche), Käseprodukte (ein hoher Regierungsbeamter scheint eine Laktoseallergie zu haben) und Mehl (könnte für ein anderes Pulver gehalten werden) absolut tabu. Nicht vergessen werden sollten die Bikinioberteile für weibliche Babys (oben ohne ist auch für Mädchen unter 3 Jahren strikte verboten!) und die weiten Badehosen für Männer (enge Badehosen dürfen nur noch von Mark Spitz getragen werden – man könnte ja etwas erkennen). Wem das zu kompliziert ist, packt einfach die Kreditkarte und die Bibel ein, beide werden in allen Bundesstaaten gerne gesehen.
Endlich kommt der Reisetag näher und Angehörige bringen einem nach Zürich Kloten. Nach dem Verlassen schweizerischen Hoheitsgebietes lockt das Shoppingparadies am Flughafen. Ab und zu findet man Raucherinseln (nicht zu verwechseln mit dem Fixerstübli), wo sich der süchtige Raucher noch einen Nikotinkick vor dem bis zu 11-stündigen Nichtraucherflug in das Ferienparadies Amerika holen kann. Am Gate sollte man zeitig ankommen! Der erste Pass und Visacheck wird noch vor dem Boarden des Airbusses gemacht.
Endlich im Flugzeug angekommen und den Sitz ergattert, meldet sich schon der Kapitän über die Lautsprecher. Im Namen der amerikanischen Transportbehörde TSA muss er die Passagiere darauf hinweisen, dass Warteschlangen vor den Toiletten nicht toleriert werden dürfen. Auf den Flugzeugen nach Amerika herrscht schon lange keine Versammlungsfreiheit mehr. Menschenansammlungen könnten konspirativer Natur sein und das muss im Namen der TSA verhindert werden. Mit den Rädern noch in Kloten fühlt man sich schon fast wie in Amerika…..
Wenn sich das gelobte Land endlich nähert und der Passagier aus dem kleinen Flugifenster die Badestrände von Florida erblickt, ist die Vorfreude auf die Ferien und bei Rauchern auf die erste Zigarette nach dem langen Flug gross. Doch so schnell lässt einem eine Weltmacht nicht in ihr Land. Zuerst Gesichts- und Fingerabdruckkontrolle. Die Schlange ist lang und man verflucht sich selber, dass die erste Gelegenheit für ein Angstbruni ausgelassen wurde. ‚Left Indexfinger, right Indexfinger – watch in the camera and don’t smile!’, das die Begrüssungsworte des mindestens 80-jährigen Einreisebeamten. Wehe man ist nicht freundlich und wehe man hat die Formulare nicht richtig ausgefüllt. Danach geht es plötzlich flüssig! Zuerst am Drogenschäfer und dann am Landwirtschaftspudel vorbei und man erblickt zum ersten Mal den blauen Himmel von Miami.

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