Dienstag, März 15, 2005

Schweigen

Wenn DRS 3 am Morgen live in die Vogelwarte Sempach schaltet und einen Ornitologen zum Thema ‚Kranich’ befragt, dann ist die Informationsgesellschaft wirklich verzweifelt. Was soll man bloss zum Verkauf von Swiss an die Lufthansa sagen oder schreiben? Die armen Journalisten tun einem schon leid. Da wird die in den letzten Jahren am meisten kritisierte Firma verkauft und niemand will die Schreiberlinge informieren. Nur der unverwüstliche Sepp Moser springt erregt von einem Bein auf das andere und sucht verzweifelt nach einem freien Mikrofon. Doch der liebe Sepp hat Pech, sein Kredit hat er in der Vergangenheit verspielt und aus dem Aviatikexperten mit Wasser im Flugbenzin ist es ruhig geworden – ein Journalisten Grounding sozusagen.
Das Informationsvakuum ist gross, die Experten sind in Lauerstellung und zum Glück der Nationalräte stehen so bald keine Wahlen an.
Da ich meine Mitarbeiteraktien 0.5 Sekunden nach Erhalt wieder verkauft habe, bin ich an den Informationsveranstaltungen für die Grossaktionäre in der ominösen Anwaltskanzlei in Zürich nicht geladen. So kann ich trotz meines unglaublichen Insiderwissens (bin schliesslich seit der Geburt von Swiss im Unternehmen!) auch nicht aus erster Hand informieren.

Ich habe einen Teil meiner Pilotenausbildung bei Lufthansa gemacht, fliege seit Jahren mit Lufthansakarten durch die Welt, mache meine persönliche Flugplanung auf einer Lufthansaoberfläche, erhalte an verschiedenen Stationen auf dem Globus Lufthansa Mahlzeiten, schlafe in Bangkok und Boston unter dem gleichen Dach wie die Lufthansa und finde die MitarbeiterInnen des Kranich ganz sympathisch.
Aus meiner kleinen Copilotenwarte aus betrachtet scheint sich auf den ersten Blick wenig zu ändern. Ich werde mich weiterhin auf einer aus deutscher Produktion stammenden Karte orientieren, an deutschen Steuerknüppeln ziehen und deutsche Flugplanungsunterlagen benutzen.Trotzdem gehe ich mit den Politikern und Aviatikexperten (ohne Sepp Moser) einig. Man muss sich teuer verkaufen und Forderungen stellen. Stufengerecht fordere ich ausdrücklich – ich möchte das noch einmal unterstreichen: ausdrücklich, dass die Nespresso Automaten in den Langstreckenflugzeugen verbleiben müssen! Jawohl: verbleiben MÜSSEN! An den Deutschen Kaffee werde ich mich nie gewöhnen!

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