Mittwoch, Oktober 13, 2004

Mumbay

Den südlichen Teil von Iran unter uns versuche ich auf Kurzwelle Karachi zu erreichen. Keine leichte Aufgabe! Einige Versuche sind notwendig, bis der pakistanische Beamte am Funkgerät Zeit findet meine freundlichen Worte zu erwidern. Die Vorschriften verlangen, dass ich 10 Minuten vor Einflug in den Staat in der politisch aktiven Region eine ‚air defence clearance’ einhole. Ich folge der Aufforderungen in meinen Unterlagen kritiklos, schliesslich ist Pakistan in Besitz von Atomwaffen……
Indien und somit unsere Destination Bombay bzw. Mumbai, wie sich die Metropole seit einigen Jahren nennt, kommen näher. Der Flug war locker. Ein lustiger Kapitän, eine aufgestellte Crew und ein guter Freund auf Sitz 1A sorgten für Kurzweile. Sürli auf Geschäftsreise nach Südindien kreuzte einmal mehr meinen Arbeitsplan. Obwohl wir unsere Flugpläne nicht aufeinander abstimmen, sehe ich meinen Nachbarn und alten Freund öfter in Hongkong und Bombay als im heimatlichen Limmattal!
Gemütlicher als früher mit dem Jumbo gondeln wir Richtung Bombay International Airport. Das Wetter ist gut und der starke Anflugverkehr beschert uns einen unerwarteten Rundflug über das indische Hinterland. Nach einer Viertelstunde zeigt der Kontroller erbarmen und lässt uns nach der kurzen Flugzeit von 8 Stunden in der Hafenstadt am Indischen Ozean landen.
Der erste Kontakt mit der indischen Bürokratie ist jedes Mal ein Erlebnis. Ganze zwei A4 Seiten müssen vor der Einreise ausgefüllt werden. Neben den üblichen Angaben der Personalien, verlangt die indische Einwanderungsbehörde eine ganze Reihe von weiteren Informationen. Seriennummer von Fotoapparaten und Laptops gehören genau so dazu wie Uhrenmarke und Handyhersteller. Gewissenhaft muss alles ausgefüllt werden und der Formularbenutzer hat tunlichst darauf zu achten, dass die diversen Kohlenpapiere nicht verrutschen. Kopien in mehrfacher Ausführung halten den Behördenapparat schliesslich am Leben. ‚Where is the Copilot?’, schreit eine in einen roten Sari gekleidete Inderin durch die Menge und schüttelt dazu elegant ihren Kopf hin und her.
‚Was habe ich bloss wieder falsch eingetragen?’ Reuig und unter strengen Blicken meiner Kollegen schreite ich zur Beamtin hin und bereite mich auf einen Rüffel vor. ‚You didn’t declare your watch, sir’, tadelte mich die Beamtin. Meine Erklärung, dass ich in der indischen Hitze gerne auf die Schweissspuren unter dem Armband verzichte und darum meine Uhr zu Hause in der Schweiz gelassen habe, akzeptiert die Beamtin nicht. Ich nehme meinen Griffel, trage in das Formular nicht ganz der Wahrheit entsprechend ‚Swatch’ ein und die indische Bürokratie ist zufrieden.
Nach dem Passieren der nächsten Kontrolle und dem neuerlichen Röntgen unseres Gepäckes entlässt uns eine Schleuse in die bekannte Mischung aus gelb-schwarzen Taxis und streunenden Hunden. Bombay, durch den Monsun frisch gewaschen, präsentiert sich ungewöhnlich gut riechend.
Eine kurze Dusche, einige Bier zusammen mit Sürli, zwei Teller mit herrlich scharfem indischen Curry, ein wenig Fernsehen und dann ab ins Bett! Sofort entschwinde ich im Reich der Träume.
Nach der kurzen Orientierungslosigkeit unmittelbar nach dem Erwachen bin ich mir schnell wieder bewusst in welchem Land und welcher Stadt ich mich befinde. Der Weg ins Badezimmer ist glücklicherweise kurz und Sekundenbruchteile nachdem ich mich explosionsartig erleichtert habe, grüsst mich mein Stuhlgang aus der Toilette: ‚welcome to India my dear nff!’

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