Dienstag, Dezember 14, 2004

christmas shopping

Ort: Manhattan, New York, Ecke 7th/31th
Zeit: Mittag

Die Strassen rund um die Shopping-Meilen 5th Avenue und 34th Street sind schwarz-gelb. Schwarz von den gestressten Leuten und gelb von den stehenden Taxis. Die Stimmung ist angespannt und die vor Kälte klammen Finger können die vielen Einkaufstaschen kaum tragen. Zwei Wochen vor dem Fest heizen die Medien die Stimmung noch zusätzlich an. Während die Fernsehkanäle mit ihrem wässrigen Inhalt ununterbrochen von nie wiederkehrenden Preisabschlägen berichten, erheben die seriösen Moderatoren auf dem „weather channel“ den Mahnfinger. Man soll den schönen Tag unbedingt nutzen. Es soll kälter werden und der Schnee wartet schon von Frau Holle aus der Decke geschüttelt zu werden. Mit komplizierten Rechnungen erklären die Metrologen, wie lange man eine „Macys-Einkaufstasche“ bei -3°C und einem Wind von 40 km/h ohne Frostbeulen durch die Strassen tragen kann. Die Leute in Amerika glauben den Göttern am Fernseher und folgen brav ihrem Rat.
Aus diesem Grund sind die Strassen heute schwarz-gelb. Wie überall zerbrechen sich die Männer die Köpfe, was sie ihrer Partnerin schenken sollten und natürlich haben die Damen dieser Welt dieses Problem nicht. Mit grosser Ausdauer schleppen die weiblichen Vertreter der Gesellschaft die übergrossen Taschen von Laden zu Laden und steigern so das Bruttoinlandsprodukt der USA.
Voll im Trend sind dieses Jahr rosa Wildlederstiefel aus australischer Produktion mit viel zu grossem Einstieg, gefüttert mit hässlichem Lammfell. „Frau“ scheint sich diese Saison nicht um die Farbe kümmern zu müssen, die hässlichen Treter sind allesamt rosa. Weiter kommt die moderne Dame diesen Winter nicht am hippen iPod von Apple vorbei. Praktisch bei jedem Weibsbild zwischen 12 und 39 (Frauen über 40 gibt es in Amerika nicht – zumindest wenn man fragtJ) führt ein weisses Kabel vom Kaschmirmantel in die kalten Öhrchen. Ob da auch wirklich Musik gehört wird, bleib mir verborgen. Es sieht cool aus und weist die Trägerin in Kombination mit den rosa Wildlederstiefeln als modekundige, moderne Zeitgenossin aus. Und die Männer? Wenn sie nicht am Arbeiten sind und nicht gerade ein Footballspiel am TV läuft, dann shoppen sie natürlich auch. Für sich selbst kauft man heruntergesetzte Hosen und Pullover für 14.99 $ bei OldNavy. Für die Frau oder die Freundin scheut man keinen Aufwand und zieht eine professionelle Beratung zu Rate. Die junge, gestylte Blondine in der Uniform des Warenhauses und der wunderschönen Berufsbezeichnung „Shopping Guide“ weiss natürlich sofort Rat. Rosa Wildlederstiefel und der iPod von Apple seien die Renner dieses Jahr. Man trifft sich dann wieder am 26. Dezember zum grossen Umtausch bei „Macys“.

Sonntag, November 14, 2004

Shopping in Japan

Es ist 14 Uhr Ortszeit in Tokyo (6 Uhr in der Schweiz) und ganz Japan frönt seinem Hobby dem Einkaufen. Ein Sonntag zusammen mit Kind und Kegel im Einkaufszentrum gehört zu den schönsten Freizeitbeschäftigungen im Land der aufgehenden Sonne. Alle scheinen sich mit den Einheimischen zu solidarisieren und sämtliche gestrandeten Menschen aus den verschiedenen Kontinenten versammeln sich im nahe gelegenen Aeon Center zum Kollektiveinkauf. Ich bin schon lange wach (seit 3 Uhr Ortszeit = 19 Uhr MEZ), es regnet in Narita, ich war schon in der Sauna, habe schon auf dem Laufband geschwitzt, schon einen DVD gesehen (Bend it like Beckham) und die Weltwoche gelesen. Also solidarisiere ich mich mit der taifun- und erbebengeplagten Bevölkerung und besteige den Bus 150 zum Einkaufsparadies. Der Busfahrer schaut mich verwundert an und die Passagiere grinsen, als ich mich nach dem Preis erkundige. ‚Nomen est omen’ würden die Lateiner sagen – Bus 150 kostet 150 ¥. Eigentlich logisch, oder? Mit dieser Marketingstrategie könnte das Problem der Zürcher Verkehrsbetriebe glatt gelöst werden. Die S12 (12 Franken – logo, oder) wäre dann immer schön leer und die S3 sähe aus wie ein japanischer Vorortszug am Morgen. Wer sitzen will muss zahlen, wer sparen will geniesst die Nähe und das verschwitzte Hemd des Nachbarn. So revolutionär ist meine Idee auch wieder nicht. In der Swiss haben das die Meisterstrategen schon lange implementiert. So kostet LX16 nach New York und LX17 zurück so um die 33 Franken und der Passagier mit LX828 nach Hannover wird kräftig gemolken
Zurück zu Tokyo. Im Shopping Center angekommen sehe ich einen gigantischen Sportladen mit Kleidern, die im Swiss Miniature eine gute Figur machen würden. XXXXXXXL gibt es leider nicht und XL entspricht etwa der Grösse des bauchfreien T-Shirts von Britney Spears. Mein Shoppingabenteuer ist dank etwas beschränkter Auswahl schnell vorbei und ich mogle mich an mit Plastiktüten behangenen Stewardessen aus aller Welt vorbei in den Starbucks. Der grande Latte ist dank Globalisierung hier exakt so gross wie in Chicago und wird etwa bis zum Wirtschaftsteil der Zeit reichen.
Ein Schlürfgeräusch, das wenig später aus meinem Pappbecher entsteigt, zeigt mir unmissverständlich den tiefen Pegelstand meines Getränkes an. Ein Zweiter liegt noch drin und ich beginne mit dem anspruchsvollen Feuilletonteil. Bald zeigt sich aber mein Schlafmangel, die Augenlider werden schwerer und ich entscheide mich, den 150 Yen Bus Richtung Hilton zu besteigen.
Mittlerweile bin ich wieder im Hotel und studiere, was ich um 15 Uhr Ortszeit (7 Uhr Schweizerzeit) in meinem Hotelzimmer bloss treiben soll. Denn Schlafen ist jetzt Tabu! Döse ich jetzt ein, dann bleiben die Augen in der Nacht offen und der Weckruf morgen um 0830 Ortszeit (0030 MEZ) schlägt dann ziemlich brutal auf die gute Laune.
Jetzt bin ich im Dilemma. Soll ich nun Richard Reichs ‚das Leben in der Turnhalle’ oder den Stern lesen? Vielleicht verkürzt aber auch der Film minority report die lange Zeit bis zum nächsten Sushi.
Was würde ich jetzt geben, wenn ich ausgeschlafen am Frühstückstisch die nervenden Geschichten vom Detektiv Malony auf DRS3 hören könnte!
Vielleicht wird es ja nächstes Wochenende besser. Wieder einmal Los Angeles, wieder einmal 9 Stunden Zeitverschiebung auf die andere Seite und wieder einmal ein Körper, der wie ein schlaffer Waschlappen im Stuhl hängt.
Es ist jetzt genau 15:05 Uhr (07:05 Uhr Schweizer Zeit, 22:05 Uhr Los Angeles Zeit) und ich habe soeben eine schwierige Entscheidung getroffen: der Stern muss dran glauben!

Montag, November 08, 2004

Schüttelbecher

Die Nacht auf Montag ist angebrochen und ich befinde mich einmal mehr auf dem Heimweg einer Weltreise. Seit mehr als einem Jahr war ich wieder einmal in Südafrika. Der Frühling in Johannesburg geht dem Ende entgegen und die Bäume stehen in voller Blüte. Johannesburg hat einen sehr schlechten Ruf als Stadt. Die Metropole scheint ausser dem Spitzenplatz in der Verbrecherstatistik auf den ersten Blick nicht viel zu bieten. Als Crews wohnen wir glücklicherweise in einem recht geschützten Resort, haben Zeit und die Ruhe das ausgezeichnete Essen und den schmackhaften Wein zu geniessen. So stand auch diesen Samstagabend der Besuch beim Butcher Shop auf dem Programm. Definitiv nichts für Vegetarier! Zuerst einige Gläser Weisswein an der Bar und dann unter freiem Himmel der Kampf mit dem T-Bone Steak. Dazu Magnumflaschen voller Rotwein und das Zwitschern der Vögel im Hintergrund. Müsste ich nicht wieder ein Wochenende ohne Coni verbringen, könnte ich glatt von einem traumhaften Abend reden.
Mengen von Rotwein verlangen nach einem langen Schlaf. Genau das habe ich mir heute Morgen gegönnt! Die Cappuccinos beim Bäcker und das Studium der Zeit folgten dem langen Ausschlafen.
Um die Zeilen zu füllen erwähne ich noch meinen Kinobesuch und das feine Abendessen beim Italiener. Alles Vergangenheit! Jetzt sitze ich wieder einmal in meiner Gefängniszelle über den Wolken und sollte Schlafen….. Doch an Schlaf ist nicht zu denken. Erstens bin ich nicht müde und zweitens versuchen meine Kollegen am Steuer erfolglos den Gewitterwolken und Turbulenzen auszuweichen. Das Ergebnis ermöglicht schlichtweg keine waagrechte Stellung im Bett :-(
Ich schaue also wieder einmal einer harten Nacht entgegen! In etwa 2 Stunden werde ich dann das Steuer übernehmen und den Flieger hundemüde nach Zürich bringen – Pilotenalltag. Ich könnte jetzt noch viele Zeilen mit Reklamationen füllen, lasse es aber sein. So beende ich meinen ‚Tagebucheintrag’ mit der Weisheit: ‚Liebe Freunde: geniesst Euer Bett zu Hause und den regelmässigen Schafrhythmus! Ihr kommt zwar nur in Euren Träumen nach Afrika, dafür kommt Ihr zum Träumen…..’ Guet Nacht.

Mittwoch, Oktober 27, 2004

EKG

Ich werde bald 40 und da muss man einfach über das Alter nachdenken! Wenn ich ehrlich bin erkenne ich noch keine wirklichen Nachteile beim baldigen Überschreiten dieser Alterhürde, aber man muss sich ja schliesslich Vorbereiten!
Ein guter Indikator für das Älterwerden sind die sich häufenden Besuche bei den verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. Eine wichtige Rolle spielen bei diesen Konsultationen die Wartezimmer.
Früher habe ich mich bei Physiotherapeuten und berühmten Sportärzten in den Vorzimmern mit den aufliegenden Sportzeitschriften begnügt. Dann kamen nach einigen Jahren die grossen Revisionen beim Gebiss und die ersten kleineren Gebrechen im Bewegungsapparat. Bei dieser Spezies der Ärzte liegen altergerechte Zeitschriften wie Fit for Fun, Stern oder gar ein Playboy auf.
Heute nun der erste Schritt Richtung Vierzig. Meine Pumpe hat beim jährlichen Medical-Check der der Swiss etwas zaghaft ausgeschlagen. Ich behaupte das kommt vom vielen Training und die Ärzte behaupten gar nichts, meinten aber ich könnte schwer krank sein.
Jetzt sitze ich also quasi als Strafe für die täglichen Dauerläufe zum Egelsee im Wartezimmer eines Herzspezialisten. Neben mir hat eine ältere Dame Platz genommen, die von ihrem Mann bei diesem Gang zum Arzt begleitet wurde. Gegenüber ein gebrechlicher Herr mit rotem Kopf. Ein schwerer Duft, der mich an ein Altersheim erinnert, liegt in der Luft. Ich wühle etwas in der Zeitschriftenauslage und finde lauter Glücks Post, Prospekte von Baumeler’s Wanderreisen und eine Broschüre eines Treppenliftherstellers.
Die Tür geht auf, eine Frau kommt herein und das Gesicht der älteren Dame neben mir heitert sich auf. Die Seniorinnen scheinen sich zu kennen. ‚Ja Grüezi Frau Müller, wie gaaaaaahts?’, fragt meine Nachbarin mit lauter Stimme. Noch bevor die eintretende Frau antworten konnte, fiel ihr meine Nachbarin ins Wort: ‚mir gahts nöd guet! Die neue Herzpille nützed nüt und ich chume devo schaurige Durchfall über!’ Sofort war das ganze Wartezimmer über die Stuhlprobleme von Frau Nötzli informiert.
Die Praxishilfe trat glücklicherweise just in diesem Moment ein und begleitete mich in den Nebenraum. Ruhe-EKG, Ultraschall und Hometrainer folgten. Ich fühlte mich wieder in meine aktive Wettkampfzeit zurückversetzt und genoss die vielen Kabel an meiner Brust. Mit Ruhepuls 49 (staunt nur!) begann ich mein Belastungs-EKG und drückte nach 12 Minuten epofreie 400 Watt auf dem Ergometer mit Puls 157. Der Arzt freute sich, animierte mich zur Teilnahme an der Tour de France der Senioren und klopfte mir bewundernd auf meine verschwitzte Schulter. ‚Praxisrekord!’, rief der Herzspezialist durch die Räume während die Arztgehilfin meine Schweisslache am Boden aufnahm. Stolz und verschwitzt entstieg ich dem Rad und genoss den kleinen Sieg am virtuellen Aufstieg zur Alpe d’Huez. ‚Herz gesund und Praxisrekord!’ Mit diesen Worten entliess mich der Mann in Weiss in die Mittagspause.
Mein Rekord machte mich nur kurze Zeit glücklich. Im Wartezimmer waren alle Stühle besetzt und einer der alten Patienten nickte anerkennend als ich die Praxis fluchtartig verliess. Rekorde sind relativ!

Mittwoch, Oktober 13, 2004

Mumbay

Den südlichen Teil von Iran unter uns versuche ich auf Kurzwelle Karachi zu erreichen. Keine leichte Aufgabe! Einige Versuche sind notwendig, bis der pakistanische Beamte am Funkgerät Zeit findet meine freundlichen Worte zu erwidern. Die Vorschriften verlangen, dass ich 10 Minuten vor Einflug in den Staat in der politisch aktiven Region eine ‚air defence clearance’ einhole. Ich folge der Aufforderungen in meinen Unterlagen kritiklos, schliesslich ist Pakistan in Besitz von Atomwaffen……
Indien und somit unsere Destination Bombay bzw. Mumbai, wie sich die Metropole seit einigen Jahren nennt, kommen näher. Der Flug war locker. Ein lustiger Kapitän, eine aufgestellte Crew und ein guter Freund auf Sitz 1A sorgten für Kurzweile. Sürli auf Geschäftsreise nach Südindien kreuzte einmal mehr meinen Arbeitsplan. Obwohl wir unsere Flugpläne nicht aufeinander abstimmen, sehe ich meinen Nachbarn und alten Freund öfter in Hongkong und Bombay als im heimatlichen Limmattal!
Gemütlicher als früher mit dem Jumbo gondeln wir Richtung Bombay International Airport. Das Wetter ist gut und der starke Anflugverkehr beschert uns einen unerwarteten Rundflug über das indische Hinterland. Nach einer Viertelstunde zeigt der Kontroller erbarmen und lässt uns nach der kurzen Flugzeit von 8 Stunden in der Hafenstadt am Indischen Ozean landen.
Der erste Kontakt mit der indischen Bürokratie ist jedes Mal ein Erlebnis. Ganze zwei A4 Seiten müssen vor der Einreise ausgefüllt werden. Neben den üblichen Angaben der Personalien, verlangt die indische Einwanderungsbehörde eine ganze Reihe von weiteren Informationen. Seriennummer von Fotoapparaten und Laptops gehören genau so dazu wie Uhrenmarke und Handyhersteller. Gewissenhaft muss alles ausgefüllt werden und der Formularbenutzer hat tunlichst darauf zu achten, dass die diversen Kohlenpapiere nicht verrutschen. Kopien in mehrfacher Ausführung halten den Behördenapparat schliesslich am Leben. ‚Where is the Copilot?’, schreit eine in einen roten Sari gekleidete Inderin durch die Menge und schüttelt dazu elegant ihren Kopf hin und her.
‚Was habe ich bloss wieder falsch eingetragen?’ Reuig und unter strengen Blicken meiner Kollegen schreite ich zur Beamtin hin und bereite mich auf einen Rüffel vor. ‚You didn’t declare your watch, sir’, tadelte mich die Beamtin. Meine Erklärung, dass ich in der indischen Hitze gerne auf die Schweissspuren unter dem Armband verzichte und darum meine Uhr zu Hause in der Schweiz gelassen habe, akzeptiert die Beamtin nicht. Ich nehme meinen Griffel, trage in das Formular nicht ganz der Wahrheit entsprechend ‚Swatch’ ein und die indische Bürokratie ist zufrieden.
Nach dem Passieren der nächsten Kontrolle und dem neuerlichen Röntgen unseres Gepäckes entlässt uns eine Schleuse in die bekannte Mischung aus gelb-schwarzen Taxis und streunenden Hunden. Bombay, durch den Monsun frisch gewaschen, präsentiert sich ungewöhnlich gut riechend.
Eine kurze Dusche, einige Bier zusammen mit Sürli, zwei Teller mit herrlich scharfem indischen Curry, ein wenig Fernsehen und dann ab ins Bett! Sofort entschwinde ich im Reich der Träume.
Nach der kurzen Orientierungslosigkeit unmittelbar nach dem Erwachen bin ich mir schnell wieder bewusst in welchem Land und welcher Stadt ich mich befinde. Der Weg ins Badezimmer ist glücklicherweise kurz und Sekundenbruchteile nachdem ich mich explosionsartig erleichtert habe, grüsst mich mein Stuhlgang aus der Toilette: ‚welcome to India my dear nff!’

Sonntag, Oktober 10, 2004

Sehnsüchte

Ich sass schon viele Male in New York in einem Starbucks und beobachtete die Geschäftsleute auf dem Weg zur Arbeit. Oft war ich auf die gut gekleideten Businessleute eifersüchtig. Nicht wegen den schmucken Anzügen und nicht wegen ihres gestressten Ganges, sondern wegen der Aufgabe, die auf sie an den Arbeitsplätzen wartete. Vermutlich haben die verschlafenen New Yorker mitleidig in das Restaurant geschaut und gesehen, wie ein ausgeschlafener Copilot gemütlich über seiner Zeitung sitzt und das Treiben auf den Strassen beobachtet.
Einige haben das Gefühl an der Arbeit zuwenig gebraucht zu werden und andere leiden darunter, dass sie von den gestellten Aufgaben erdrückt werden. Ist wohl ein Naturgesetz, dass der Mensch immer das will, was er nicht bekommt. Doch mir fehlt am Arbeitsplatz eine Aufgabe, die mich fordert und wo ich etwas bewegen kann. Die Fliegerei mag ja für Aussenstehende faszinierend und sexy sein, am Arbeitsplatz hinter dem Steuerknüppel sieht es aber etwas nüchterner aus. Bewegen kann man als Copilot höchstens den elektronischen Steuerknüppel. Etwas rauf, etwas runter oder gar links bzw. rechts. Bei der Pilotenselektion werden Ansprüche an Fertigkeit und eine minimale Intelligenz vorausgesetzt. In der täglichen Arbeit reduzieren sich die Handlungen aber auf routinemässige Abläufe und langweiliges Überwachen. Im Cockpit kann man etwas gut oder sehr gut machen, nicht aber etwas verändern. Haben die gut gekleideten Geschäftsmänner die gleichen Probleme? Vermutlich schon, trotzdem bin ich überzeugt, dass diese mit immer neuen Herausforderungen konfrontiert werden. Mit Verstand und Kreativität werden die Hürden aus dem Weg geräumt, Abläufe optimiert und hinterfragt. Hinterfrage ich etwas, dann ist das gegen die ‚Flottenphilosophie’. Dieser Prozess fehlt mir in der Fliegerei. Probleme tauchen laufend auf, mehr als manchen Passagieren lieb ist und wir sind ausgebildet diese prioritätsgerecht zu lösen und aus der Welt zu schaffen. Da die Fliegerei und speziell ein modernes Flugzeug ein ungemein komplexes System ist und eine Fehlentscheidung Menschenleben kosten kann, wurden Problemlösungen so gut als möglich standardisiert. Informelle Sitzungen und das beiziehen von Spezialisten ist aus Zeit- und Ressourcengründen in der Regel nicht möglich. Kreative Lösungsfindung, wie ich es früher als Entwicklungsingenieur erlebte, bleibt weitgehend auf der Strecke. Und genau das vermisse ich im Cockpit.

Was erzähle ich da in meinem Bericht? Bin weder im Cockpit noch in New York. Ich sitze in Hongkong in einem Starbucks und geniesse es, etwas zu philosophieren! Über die Kopfhörer höre ich die RED HOT CHILI PEPPER und mein vaio muss meine geschriebenen Gedanken verdauen. Der ‚grande Latte’ schmeckt wie auf der ganzen Welt und ich kann von meinem Tisch aus die Skyline von Hongkong Island überblicken. In den hohen Officetürmen, auf der anderen Seite der Bay, sitzen die Angestellten in ihren unterkühlten Büros eng gedrängt und werden von ihren Vorgesetzten mit Arbeit und Problemen förmlich zugedeckt. Ihre Mailbox überläuft und eines der drei Telefone auf dem Pult läutet pausenlos. Manch einer der gequälten Bürogummis wird jetzt sicherlich aus dem Fenster schauen und den startenden Flugzeugen zusehen. Er wird für einige Momente seine Arbeit vergessen und die Piloten beneiden, die an ihrem Arbeitsplatz eine ruhige Kugel schieben, sich von den Hostessen kulinarisch verwöhnen lassen und so kreative Sachen wie Passagieransagen oder Blickkreuzworträtsel machen . Warum ist der Mensch nie zufrieden?

Mittwoch, Oktober 06, 2004

Migroseinkauf

Bin wieder zuhause und habe schon einige Stunden horizontal im Bett gelegen. Das bringt den Körper nicht wieder ins Gleichgewicht, hilft aber trotzdem etwas, die Zeit bis zum Abend einigermassen lebenswert durchzubringen.
Erfahrungsgemäss ist man nach einem Nachtflug kaum belastbar und muss seine Tätigkeiten auf Sachen wie Einkaufen und Internetsurfen reduzieren.
Mit einem kleinen Hungergefühl, machte ich mich auf den Weg Richtung Stadt. Die grösste Bausünde im Zentrum ist mein Ziel. Treffsicher steuere ich meinen Passat durch die enge Einfahrt, ergattere mit einer akrobatischen Einlage ein Einfahrtsticket und Suche auf Ebene 1 einen Parkplatz. Kurz nach Mittag ist eine gute Zeit um in der Migros einzukaufen. Die Pensionäre liegen zuhause auf ihren Sofas und gönnen sich einen Mittagsschlaf.
Der Lift bringt mich bequem in den 1. Stock. Zu meiner Freude habe ich ein 2 Fr. Stück für den Einkaufswagen im Portemonnaie und eine hübsche Angestellte grüsst mich beim vorbeilaufen – wenn das kein gutes Omen ist!
Das Kundengatter passiert, tauche in die Frischwarenwelt ein. Ein etwas hilfloser Gatte einer resoluten älteren Frau steht verloren mitten in der Hauptverkehrsachse und blockiert den Warenfluss zwischen der Früchte- und der Gemüseabteilung. Seine Angetraute versucht mit ihrer Enkelin an der Hand einen Sack mit Äpfeln zu füllen. Jede der künstlich aussehenden Früchte nimmt die kritische Frau unter die Lupe und lässt nur die vermeintlich Besten in ihre Tasche gleiten. Sieben Stück haben die harte Selektion bestanden und werden bei dem älteren Pärchen in den nächsten Tagen die Früchteschale auf dem Eichenbuffet schmücken. Dass die Äpfel aus Neuseeland kommen, stören weder die Frau noch die Enkelin.
Ich fülle meinen Wagen speditiv und wechsle von der Frischwaren- in die Brotabteilung. Wieder steht der eingeschüchterte Kerl mit seinem Einkaufwagen im Weg. Seine bessere Hälfte drückt sich in der Zwischenzeit durch die Brote. Ihre Enkelin beobachtet hustend aus Distanz ihre Grossmutter, wie sie jeden Brotlaib wendet und kritisch prüft. Wie oft im Tag muss sich das Gebäck wohl dieser Tortur stellen? Die alte Dame hat sich für ein Kartoffelbrot entschieden und schreitet mit ihrem Mann und der Enkelin im Schlepptau Richtung Milchprodukte. Äpfel kann man waschen, Brote nicht. Ich entscheide mich, zuhause einen Teig zu kneten und ein eigenes Brot zu backen. Wer weiss wo die alte Dame schon überall ihre Finger hinein gesteckt hat. Bei den Milchprodukten scheint es nicht viel zum Drücken zu geben. Das Pärchen ist nicht zu sehen und ich habe freie Fahrt.
Die scharfe Kurve nach den Teigwaren ist mir heute fast zum Verhängnis geworden. Genau nach Kurvenende steht das alte Pärchen mit der Enkelin mitten im Weg und quatscht mit einer Bekannten. Beim Ausweichmanöver bekomme ich einige Brocken der Konversation mit. ‚Meine Enkelin hat die ‚wilden Blatern’ und wir passen heute auf den Goldschatz auf’, sagt die Grosmutter zu der Bekannten und putzt dem schwerkranken Kind die Nase.
Ich passiere die Gruppe und bin froh, dass in meinem Einkaufswagen kein Brot und keine Äpfel zu finden sind. Als ich in der Tiefgarage die zwei Altpapiertaschen in den Passat lade, sehe ich meine Kollegen wieder. Jetzt wo man sich dem Auto nähert, ist der Opa wieder der Chef. Er wirft einige Münzen in den Automaten, entnimmt das Ausfahrtsticket und steckt dieses sogleich in den Mund. Mit 2 schweren Taschen an den Armen und dem Ausfahrtsticket zwischen den Zähnen schreitet er auf einen alten Mercedes zu. Eine Frau in einem blauen Seat Arosa mit einem ‚Flims’ Abziehbild am Heck passiert die Szenerie. Mir fällt auf, dass auch diese Frau das frisch gezogene Einfahrtticket mit den Lippen fixierte. Ebenfalls mit dem Ticket im Mund verlässt ein junger Mann im aufgemotzten Golf die Parkgarage. Ein kalter Schauder läuft mir über den Rücken. Ich bin sicher, dass die Tickets wieder verwendet werden und der Geschmack der Aus- und Einfahrtscheine somit täglich variiert. Einkaufen in der Migros kann ihre Gesundheit gefährden!

Montag, Oktober 04, 2004

wieder einmal Hong-Kong

Was am Vorabend gegen 23 Uhr begonnen hat, findet jetzt nach rund 11 Stunden Flug langsam sein Ende. Der Kontroller in Guangzhou gibt uns in schwer verständlichem Englisch die Anweisung zum Sinkflug. Nach einem Nachtflug sind die Reaktionen etwas träger und ich muss mich zwingen, den Körper wieder in Betriebsbereitschaft zu bringen. Ich sitze jetzt schon 8 Stunden im Sitz und greife zum ersten Mal aktiv in den Flugverlauf ein. Nicht dass ich vorher untätig gewesen wäre, aber meine Aufgaben begrenzten sich auf das Überwachen und das Wachbleiben.
Macao wird auf 8000 Metern über Meer überflogen und der Chinese am Funk schickt uns auf die Anflugfrequenz von Hongkong. Mit perfektem englischem Akzent begrüsst uns der sehr effiziente Lotse. Beeilen sollen wir uns mit dem Sinkflug, meinte der relaxte Brite auf 134.3 MHz. Er offerierte uns eine Abkürzung von über 100 Km zum publizierten Flugweg. Die Abkürzung spart unserer Firma rund eine Tonne Kerosin, die Passagiere sind 20 Minuten früher im Hotel, die Kabinenbesatzung muss sich mit dem Servieren des Frühstückes beeilen und ich als fliegender Pilot komme leicht in Stress. Bin etwa 1500m über dem idealen Gleitwinkel von 3° - Nase runter und Bremsklappen raus. Einen sportlichen Anflug nennt man das im Fliegerjargon. Nicht wirklich das, was man sich nach einem harten Nachtflug wünscht. Einige Minuten später befinden wir uns auf dem idealen Gleitweg und die Piste 07L taucht aus dem Dunst auf. Hongkong hat mich nach 1 ½ Jahren wieder.
Schon wenig später geniesse ich im Lan Kwai Fong Quartier ein herrliches Thailändisches Essen unter freiem Himmel. Das Bier schmeckt nach dem langen Flug himmlisch und die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen lassen die Erschöpfung vergessen.
Interessanterweise kommt bei mir in dieser Stadt nie melancholische Stimmung auf. Trotz schon über 30 Besuchen in dieser Metropole, kann ich mich an kleinen Sachen wie der Überfahrt mit der Star Ferry und dem Frühstück beim Stanley Market noch immer erfreuen. In keiner Stadt der Welt sind Reichtum und Armut, Tradition und Dekadenz so nahe nebeneinander. Schlendern in der Nathan Road, wo man pausenlos geschupst und gestossen wird ist genauso faszinierend wie eine einsame Wanderung auf einer der zahllosen Inseln oder im Hinterland von Kowloon.
Seit der Airbus nach Hongkong fliegt, haben wir auch viele Greenhörner in der Besatzung. Einige der Piloten waren noch nie in Fernen Osten und kommen mit grossen Erwartungen und gut vorbereitet in die pulsierende Stadt am Südchinesischen Meer. Mit dicken Reiseführern ausgestattet flitzen diese dann durch die engen Gassen und entdecken so die schöne Ecken. Es ist als ‚Kenner’ und fast Einheimischer immer wieder faszinierend, wie wenig man eigentlich von einer Stadt weiss und kennt. Erstaunlich, wie ich mich über Jahre an Muster und einen in den Grundzügen oft identischen Tagesablauf in den verschiedenen Städten gewöhnt habe. Bekannte Rituale vermitteln Sicherheit, verhindern aber auch Neues zu entdecken. In der Politik benutzt man dafür die Begriffe ‚konservativ’, ‚traditionell’ oder ganz einfach ‚SVP’.
Gerade beim Schlendern durch eine mir bekannte Stadt mit einem Greenhorn im Schlepptau, entdeckt man neue Paradiese. Viele der über Jahre eingebrannten Bräuche werden so neu überdenkt. Ein überraschend erfrischender Prozess übrigens! Ich habe mir fest vorgenommen, in Zürich in den nächsten Freitagen eine Stadtrundfahrt zu buchen und einen Reiseführer zu kaufen! Vielleicht kann mir ein Greenhorn ‚meine’ Stadt an der Limmat aus einer neuen Perspektive zeigen. Fast wäre ich versucht gewesen, alle Stimmbürger die am letzten Abstimmungssonntag bei den Ausländerinitiativen NEIN gestimmt haben zu einer Stadtführung mit einem Greenhorn bzw. einem Ausländer zu verdonnern. Aber eben, das funktioniert ja gar nicht. Erstens lassen sich die konservativen Eidgenossen kaum für etwas Neues begeistern und zweitens leben die von der Abstimmung betroffenen Ausländer schon seit Jahrzehnten in unserem Land und sind alles andere als Greenhörner.

Donnerstag, September 30, 2004

Tropfensystem

Letzten Dienstag hat es mich nach 5 gemütlichen Reservetagen zu Hause erwischt. Die Disponentin der Swiss bot mich für einen Flug nach Kairo auf. Am Morgen nach Ägypten und am Abend wieder zurück. Eigentlich gar nicht so schlecht möchte man meinen. Die grosse Unbekannte für mich war der Anfahrtsweg zum Flughafen während der Stosszeit am Morgen. Vom Tropfensystem am Gubrist wurde in den Medien viel berichtet. Limmattaler waren verärgert, Aargauer jubilierten. Ich plante am besagten Morgen auf jeden Fall genügend Zeit ein. Von der Fahrweid her kommend sah ich, dass der Verkehr auf der Autobahn flüssig lief. Auch der befürchtete Stau vor dem Tropfenzähler bei der Einfahrt Weiningen war marginal. Brav reihte ich mich vor den Lichtsignalen ein und wartete gnädig auf Einlass in den vielbefahrenen Tunnel. Wieder ging es schneller als erwartet. Später im Tunnel verursachten dann unschlüssige Automobilisten einen Stau mitten im dunklen Loch. Immer auf der Suche nach der flottesten Spur, wechselten sie die Seiten schneller als dem Tropfenzähler lieb war. Stau war die Folge und ich benutzte die Gelegenheit meine Staukollegen zu beobachten. Nicht die Frisuren, Brillen oder Kleider interessierten mich heute, sondern die Aufkleber auf dem Heck der verschiedenen Fahrzeuge. ‚Bivio – die Perle am Julier’ klebte schon etwas vergilbt an einem beigen Golf der ersten Generation. Fahrer und Untersatz stammen wohl beide aus den 80-er Jahren. Glaube kaum, dass der junge Schnösel schon einmal im Dorf am Julier weilte. Hinter mir wechselt gerade ein BMW X5 die Spur und überholt mich langsam. ‚Davos’ schimmert in edler silberner Schrift am Heck des teuren Zivilpanzers. Könnte mir vorstellen, dass der gut gekleidete Jungbanker eine kleine Ferienwohnung im urbanen Winterparadies besitzt.
Jetzt stock die linke Spur wieder und ich überhole den Davoser und den alten Golf auf der Schleichspur. Weit vorne angekommen sehe ich an der Rückseite eines Familienvans ein Aufkleber von Adelboden. Farbig und gross macht der Fahrer mit den 3 Kindersitzen im Innern gratis für die Berner Oberländer Gemeinde Werbung. Ist vermutlich ein Dauergast in einem Familienhotel. Wir stehen wieder auf der rechten Spur und die Linke kriecht an uns vorbei. Hinter mir stellt ein schwarzer Audi aus der 6-er Serie gestresst seinen Blinker und schiebt sich vor einen blauen Honda Civic. Dessen Fahrer muss abrupt auf die Bremse stehen und zeigt dem Audifahrer den Vogel. Der Audi schleicht an mir vorbei und zu meiner Verwunderung wirbt auch dieser für den Kurort seiner Wahl. ‚St. Moritz’ reflektiert neben dem Rotaryabzeichen und ich stelle mir vor, wie dieses arrogante Arschloch im Winter in seinem schwarzen Audi den Fussgängern beim Café Hauser den Vortritt verweigert.
Apropos Engadin, vielleicht sollte man im Winter während der Stausaison vor der Einfahrt ins Dorf St. Moritz auch so einen Tropfenzähler installieren. Man könnte sich dann jeden Morgen und jeden Abend im Stau bestens amüsieren und dabei auch die Abziehbilder der verschiedenen Autos deuten. Wäre schön zu sehen, wenn unsere Bündner Freunde sich auch so schmucke Dorfnamen an die Rückseite malen würden. ‚Dietikon’, ‚Schlieren’ oder ‚Schwammendingen’ an den Rostbüchsen, ‚Weiningen – die Perle am Gubrist’ an den Subarus und Orte wie ‚Lachen SZ’, ‚Freienbach’ und ‚Meilen’ an den Luxuskarossen. Eine wahrlich föderalistische Idee. Vielleicht sollte ich das einmal im Forum der Engadiner-Post vorschlagen. Ich weiss nicht, was grössere Wellen werfen würde: der Tropfenzähler oder die Zürcher Dorfnamen an den heiligen Karossen. Wäre ein Versuch wert!

Sonntag, August 01, 2004

Long Beach

Erster August, morgens um 0100 Uhr, nüchtern und keine Bratwurst auf dem Grill! Ich sitze stattdessen im Hotelzimmer in Long Beach und warte auf den ‚wake up call’ in rund 40 Minuten. Eigentlich hätte ich jetzt Lust mich etwas auf das Bett zu legen und mich vom amerikanischen Einheitsfernsehprogramm berieseln zu lassen. Doch leider habe ich mir vorgenommen, von jeder Rotationen wenigstens einige Zeilen ins Notebook zu schreiben und sitze nun vor dem berühmten weissen Blatt.
Was soll man bloss über Long Beach schreiben? Der Name löst bei Personen, die das Pflaster südlich von Los Angeles nicht kennen, sicherlich schöne Bilder aus. Die Realität ist zumindest im Umkreis des Hotels eher nüchtern. Bürogebäude und Wohnkomplexe dominieren die Szenerie und bilden jedes Jahr, wenn das Autorennen im Dorf ist, eine urbane Kulisse. Für Jogger, Wanderer und Naturliebhaber eher eine triste Angelegenheit. Zum Glück ist aber das Meer in unmittelbarer Nähe und da lassen sich die Amerikaner in der Regel nicht lumpen. Schöne Sandstrände, wunderbare Bike- und Laufwege entlang des pazifischen Ozeans laden zum Outdoorvergnügen ein. Für 20$ den Tag haben wir zu viert je einen ‚Beachcruiser’ gemietet. Was sich sehr modern bezeichnet, ist in Tat und Wahrheit ein einfaches Fahrrad mit sehr unbequemem Sattel. Von Long Beach 19 Meilen Richtung Huntington Beach standen auf dem Programm. Schon nach wenigen Metern Fahrt, wird man durch unzählige Hinweise und Tafeln auf die Regeln aufmerksam gemacht. Vorschriften wie: ‘do not park here’, ‚pedestrians only’, ‚max speed 5 mph when pedenstrians present’, ‘max speed 10 mph when no pedestrians present’, ‘do not swim after 8 p.m.’ sorgen auf der 2 stündigen Fahrt für Unterhaltung und werden konsequent ignoriert.

Hier waren die Zeilen vor einer Woche fertig. Vermutlich hat mich ein schräges Fernsehprogramm oder der Weckruf vom Computer weggezogen. Jetzt ist über eine Woche später und ich sitze wieder in Long Beach im Hilton und warte auf den ‚wake up call’. Die Computeruhr hat gerade auf Mitternacht gewechselt und ich gönne mir noch ein paar freie Minuten bevor der Stress in der dunkelblauen Uniform wieder weitergeht. Long Beach oder auch Los Angeles sind wie ständige Fluchtversuche. Letzte Woche versuchte ich dem Rotationsblues mit Sport zu entfliehen und als Quittung zog ich mir wegen übermässigem Joggen am Strand eine Wadenzerrung zu. Diese Woche mietete ich ganz einfach ein Auto. Mit meinem Chevy ging es nach dem Frühstück auf den Highway 710 Richtung Interstate 405. Nach genau 13 Minuten Fahrzeit fand ich mich im ersten Stau wieder. Nicht zweispurig wie am Gubrist, nein siebenspurig standen die Autos Richtung Norden. Das Aussenthermometer zeigte 36 Grad an und die Aircon des Chevys lief auf Volltouren. Niemand schien sich aufzuregen und so entschloss auch ich mich, die Sache ruhig anzugehen. Nach über einer Stunde in der Blechlawine erreichte ich das erste Ziel. Ein Shopping Center so gross wie das Tivoli und das Glattzentrum zusammen. Nach dem kurzen Einkauf wollte ich noch schnell an die Venice Beach um dort ein Paar Inlineskates zu mieten. Die Verkehrssituation Richtung Westen war ähnlich wie vorher. Hier standen die Autos allerdings nur auf sechs Spuren – wie beruhigend. Die Zeit lief und ich begrub die Idee vom Strandbesuch. Schnell auf Nebenstrassen nach Beverly Hills und dann auf den Interstate 95 wieder Richtung Hotel. Viel von Los Angeles habe ich nicht gesehen, aber wenigstens war wieder ein Tag rum.
Ich weiss, meine Berichte klingen immer etwas schwermütig und negativ. Aber nur wer Los Angeles wie ich schon zum 25. Mal besucht hat und sich immer wieder fragt, was die vielen Leute denn so toll finden in der kalifornischen Metropole, kann mir nachfühlen. Leute geniesst die Schweiz! Keine Zeitverschiebung, trotz allem nette Leute und nur zweispurige Staus!

Dienstag, Juli 20, 2004

Simulation

Ich müsste mich Wiederholen, wenn ich über meine jetzige Situation schreiben müsste. Wie in den letzten Wochen so üblich, sitze ich auch jetzt im Flugzeug mit der Nase Richtung Tokio. Wieder geht ein Wochenende mit meiner Frau flöten und wieder darf ich in den harten Betten im Hilton in Narita um den Schlaf kämpfen. Ja gut, zwei Sachen sind diesmal anders. Erstens ist Röne mit dabei und zweitens bin ich jetzt drei statt zwei Nächte in der verrückten Stadt auf der Insel im Pazifik.
Trotzdem schreibe ich nicht über Japan sondern über einen Flug letztes Wochenende (Merke: wieder ein Wochenende ohne meine Frau). Gut gelaunt bin ich mit meinem Kapitän in Zürich in einem Airbus 330 auf der Piste 16 in Zürich gestartet. Der Kapitän ist geflogen und kurz vor dem Abheben erschreckt uns eine Feuerwarnung. Zum Startabbruch ist es zu spät und wir heben mit 300 Stundenkilometern und einem brennenden Triebwerk ab. Während der Kapitän den 230 Tonnen schweren Airbus in einer gefühlvoll geflogenen Linkskurve um den Tennisplatz in Opfikon dreht, lösche ich mit der Checkliste das Triebwerk und stelle dann dieses ab. Ein Motor für 230 Tonnen und ebenso viele Passagiere! Ich informiere über Funk den Tower in Zürich und die Feuerwehr wird in Alarmbereitschaft versetzt. Das Wetter in Zürich wird schlechter, doch dank des ‚Blindlandesystemes’ sehen wir eine Landemöglichkeit und können sofort den Anflug auf Piste 14 beginnen. Unsere Nerven sind gespannt, denn mit einem Brand ist nicht zu scherzen. Wir beginnen den Anflug und auf dem Flughafen sind alle in Alarmbereitschaft. Der Kabinenchef meldet eine gesicherte Kabine, im Cockpit werden die letzten Checks gemacht und der Autopilot fliegt unter Führung des Kapitäns auf dem gewünschten Gleitweg gegen die Piste. Noch immer sind wir im Nebel und die Landebahn ist nur noch 90 Meter unter uns. Da passiert es, der Autopilot verabschiedet sich mit einem schrillen Alarm und wir müssen wegen der fehlenden Sicht durchstarten. Hektik, mit nur einem Motor durchstarten verlangt Gefühl und Koordination. Die Passagiere müssen sofort informiert und die neuen Alternativen durchdacht werden. Treibstoff reicht, aber der Zustand der verkohlten Tragfläche ist unklar. Risikoabschätzung. Der Tower verspricht besseres Wetter und offeriert wegen der jetzt starken Westwinde einen schwierigen Anflug auf Piste 16 mit Landung auf Piste 28. Das Flugzeug reagiert träge und der Kapitän muss alles geben um den Airbus auf der Anflugachse zu halten. Ich gebe ihm alle notwendigen Informationen und lotse ihn auf die Landebahn. 200 Meter über Grund dreht er auf die Anflugachse zu. In der Ferne sieht man die bereitstehenden Löschfahrzeuge blinken. Kurz vor dem Aufsetzen fährt ein gelber Passagierbus unerlaubterweise auf die Piste und der Kapitän muss neuerlich durchstarten um eine Katastrophe zu verhindern. Die Winde werden stärker und das Flugzeug wird kräftig durchgeschüttelt. Zeit und der Treibstoff werden knapp. Wir entscheiden uns für eine Landung auf Piste 16 mit starkem Seitenwind. Der Anflug klappt perfekt und die Landung ist sanft. Just als er Schubumkehr setzte, knickte das Fahrwerk ein und das andere Triebwerk fing wegen der Reibung am Boden Feuer. Kaum haben wir auf der Piste angehalten, muss das Flugzeug auf schnellstem Weg verlassen werden. Während die Passagiere den Airbus über die Rutschen verlassen, schalte ich kontrolliert alle Systeme im Cockpit aus und verlasse dann das brennende Schiff.
Das Licht geht an und der Instruktor lob unsere Zusammenarbeit. ‚So, jetzt zum zweiten Teil’, meint dieser während wir uns den Schweiss von der Stirn wischen. ‚Peter fliegt und der Kapitän assistiert’. Nach zweimal 3 ½ Stunden im Simulator ist der Spuk vorbei und der Instruktor verlängert unsere Fluglizenz für weitere 6 Monate. Simulatorenalltag!
So sitze ich jetzt um einiges relaxter im Erstklasssitz und geniesse meine Pause in einem Flug ohne Feuer, Rauch, Hydraulikausfälle und anderen unschönen Zwischenfällen. Übrigens, unter mir ist jetzt das japanische Meer und die Kollegin auf der ersten Klasse bringt mir einen heissen Nespresso und ein frisches Gipfeli – etwas das eindeutig in den Simulatoren fehlt!

Freitag, Juli 09, 2004

crew bunk

Acht Stunden bin ich jetzt gesessen und habe die Sonne fast von allen Seiten gesehen. Auf 11’110m haben wir Neryungi in Ost-Sibirien überflogen, als sich der Captain wieder zum Dienst zurückmeldete. Meine Schicht ist zu Ende und die beiden Kollegen werden den A340 jetzt über Khabarovsk und das Japanische Meer nach Tokyo bringen.
In der Schweiz ist jetzt 22 Uhr, mein Akku hat noch genau für 1:01 Saft und mein Auftrag lautet ‚Schlafen’.
Die Idee wäre eigentlich recht gut. Die Augen schmerzen vom grellen Licht und die Beine wollen gestreckt werden. Schon beim Liegen beginnt das eigentliche Problem. Der Chefingenieur von Airbus, sicherlich keine Nachtflugerfahrung und kaum grösser als 1.6 m, hat die Bettlänge auf genau 2,0 m bemessen. Passt also Loch-Loch bei mir. Von Breite kann man bei dieser Liege nicht sprechen. Mein Laptop hat gerade Platz, wenn ich die Gurte (auf Kopfhöhe) etwas zur Seite schiebe. Man soll sich nicht beklagen, meint mein Chefpilot und ich beisse wie befohlen in den sauren Apfel.
Mein Akku hat noch 57 Minuten Saft und ich darf noch mehr als 2 Stunden in meiner Zelle hoch über Sibirien verharren. Klar wären die bemitleidenswerten Gefangenen in den GULAGS unter mir vor einigen Jahrzehnten froh gewesen, wenn sie eine Zelle in dieser Grösse gehabt hätten, aber erstens bin ich kein Gefangener und zweitens muss ich mich gemäss Auftrag erholen.
Mein Akku hat noch 53 Minuten und der Rücken schmerzt zum ersten Mal auf der harten Unterlage. Man soll sich in der Freizeit fit halten und die Rückenmuskulatur stärken, predigen meine Chefs und der ärztliche Dienst unaufhörlich, doch bei diesen Betten fragen ich mich ernsthaft, wann sich die erste Bandscheibe eines alten Piloten (in der Swiss haben wir nur noch alte Piloten – die Jungen wurden alle gefeuert) bei einer leichten Turbulenz verabschiedet.
Fertig gelästert, ich beschreibe ihnen lieber meine nette Zelle. Mein Ruheraum misst genau 2 Quadratmeter und hat zwei unglaublich unbequeme Pritschen eingebaut. In diesem Ruheraum sind sage und schreibe 3 Telefone, 2 Fernbedienungen und ein LCD Monitor eingepasst. Zwei der drei Telefone haben via Satellit Verbindung zur Aussenwelt. Die Fernbedienungen dienen dazu, den LCD Monitor, den man übrigens von keinem der zwei Pritschen aus richtig sieht, zu bedienen. Etwa zehn verschiedene Lichtschalter, 3 Taschenlampen, eine Schwimmweste, zwei Sauerstoffnotsysteme und eine Schutzhaube die vor Rauch schützt, sind in dem 2 Quadratmeter grossen Raum eingebaut. Verständlich, dass da kein Geld mehr übrig blieb für bequeme Matratzen und einen vernünftigen Lärmschutz.
Der Akku hat noch knapp 50 Minuten Saft und ich werde gottlob müde. Nicht so die Passagiere und meine zwei Cockpitkollegen. Alle haben Hunger. Hunger löst in einem Dienstleistungsunternehmen immer auch Hektik aus. Trolleys werden herausgerissen, Türen zugeschlagen, Teller bereit gemacht, schusssichere Cockpittüre mit den elektronischen Bolzen geöffnet, Kaffee gebraut, Champagnerflaschen entkorkt, wieder Cockpittüre aufgeschossen, Messer auf den Boden fallen gelassen, Glas herausgenommen, schmutziges Geschirr weggeräumt und viel viel geredet. Das geschieht alles genau 15 cm neben meinem Kopf.
Ich habe noch 47 Minuten Saft und möchte schlafen. Ein Ofen heult auf und nach 4 Minuten riecht es nach frischem Brot. Der 3 cm grosse Spalt zwischen Zellentüre und Boden lässt neben dem Lärm und dem Licht auch den leckeren Geruch durch. Es riecht wirklich gut. Ich entscheide mich trotz dem Wasser, das mir im Mund zusammenläuft, das Licht zu löschen. Just als ich an meine Frau denkend einschlief, erreichen meine Kollegen die Küstennähe und Gewitterwolken lassen das filigrane Flugzeug hin und her tanzen. Mein Kopf, vorher ein Zentimeter von der Wand entfernt, knallt an die nicht isolierte Abdeckung, der Gurt auf Kopfhöhe löst sich aus der Verankerung und landet unsanft auf meinem Schädel. Schlafen in dieser Zelle – denkste!

Mittwoch, Juni 09, 2004

Hitze

Die Bauern müssen hitzeresistent sein! Die Quecksilbersäule hat schon deutlich die 30° überschritten, die Luft ist schwer und dunstig, kaum ein Luftzug kühlt die verschwitzte Hautoberfläche ab und meine Nachbarn schneiden und wenden das Gras frisch fröhlich und scheinen dabei noch Spass zu haben.
Kaum einer der Familie Bräm scheint sich im Klaren zu sein, was sie mir damit antun. Pollen terrorisieren mich seit dem langen grossen Regen anfangs Woche ununterbrochen. Meine Schleimhäute sind zu Höchstform aufgeschwollen und die Lunge keucht wie die amerikanischen Pendants in der Marlboro Werbung. Ein Zürcher Produkt Namens Zyrtec hält mich seit einer guten Woche am Leben. Ein Hoch auf die Pharma-Ingenieure!

Es beschäftigen mich also heute die Pollen und die Temperatur! Kühlung gäbe es im Fondli im 23-grädigen Wasser. Doch da sind neben den Pollen auch die schreienden Jung-Dietiker. Mittwochnachmittag - Schulfrei - no go Badi ...... Zum Glück war ich schon am Morgen. Wasser 23°, Luft 23° und etwas über 23 Leute im ganzen Areal. Neben einer (vermutlich phil I) Studentin waren da nur noch grauhaarige, etwas runzlige Rentner im Freibad. Zu meiner Freude hatte es kaum eine handvoll Pensionisten im Wasser. Bei acht Bahnen kein Problem. Doch ‚Obacht’, ich bin in ein fast heiliges Gebiet eingedrungen. Um 10 Uhr in der Früh fällt ein UVI (under vierzgi) ziemlich auf. ‘Student ist er nicht mehr, wie ein Asylant sieht er nicht aus, also muss er arbeitslos sein!’ Und genau so wurde ich die folgenden 20 Längen behandelt!
Ich startete auf Bahn 3. Bahn 2 war von einer mit Ryffel’s wet west ausgestatteten Frau besetzt. Bahn 4 nutzte ein Rentner für ’Rückenschwumm an Ort’. Überhaupt nicht beobachtet gefühlt genoss ich die erste Länge. Der ältere Kollege verschluckte sich wohl beim passieren meiner Bugwelle und erklärte mir für die nächste Viertelstunde den Krieg. Als ob er sich vor jeder Passage von mir einen kräftigen Grappa gegönnt hätte, wechselte er kurz vor dem Kreuzungspunkt mit mir von ‘Geradeausschwumm’ zum ‘Kurzschwing-Schwumm‘, steuerte von Bahn 4 in ‘meine’ Bahn 3 und dank eines Zwischenspurts meinerseits konnte die Kollision vermieden werden.
Die ‘Ryffel-Wet-West-Lady’ solidarisierte sich sogleich mit dem Kollegen auf Bahn 4 und schränkte meine Freiheit auf Bahn 3 weiter ein. Wie eine Wasserbombe aus dem 2. Weltkrieg (da war sie gerade 12 Jahre alt), legte sie sich perfid in meine Fahrrinne. Rücksichtnahme meinerseits: ’es sind ja alte Leute; gut machen sie wenigstens etwas’, wechselte von Minute zu Minute Richtung Wut. Ich war drauf und dran nach 8 Längen ‘meine’ Bahn 3 aufzugeben und auf den Bahnen 5 bis 8 mein Glück zu suchen. Aber Hoppla, auf den vorhin freien Bahnen scheint sich die Hälfte des Altersheim Ruggachers versammelt zu haben. Plötzlich trafen sich die Pensionisten an den Rändern des Beckens zum Schwatz. Ein Wenden ohne Berührung der runzligen Körper mit garantiertem Protest wäre unmöglich gewesen. So setzte ich meinen Kampf auf Bahn 3 fort und beendete meine Trainingseinheit.

Noch jetzt bin ich überzeugt, dass die Bahnen 1-8 nach meinem Verlassen des Beckens leer waren und die lieben Rentner (‘Hände Weg von meiner AHV‘) auf den übergrossen Frottétüchern auf den nächsten UVI, Asylanten oder Arbeitslosen warteten. Und das jeden Morgen, Tag für Tag, darum sind die Saisonkarten für Pensionisten auch günstiger........

Sonntag, Juni 06, 2004

Reservedienst

Wohl die angenehmste Art seinen Arbeitstag zu verbringen. Während sich draußen der Himmel entleert und die Bäche schon in vielen Teilen der Schweiz über die Ufer treten, sitze ich an meinem neuen vaio und geniesse das Ausprobieren der frisch erworbenen Programme, die ersten Abstürze und - man verzeihe es mir - die Berichte des Radrennens 'Deutschlandtour' auf der ARD.
Sicher fragt sich jetzt der neugierige Leser, was der Schreiberling wohl arbeite. Schriftsteller kann er mit diesem Schreibstil nicht sein (obschon ich mich ehrlich mit dem Gedanken anfreunden könnte). Pilot heisst die Lösung und mein Auftrag lautet Reservedienst. So bin ich, nicht ganz ernst gemeint, seit 0800 Uhr wie auf Nadeln und hoffe dass mich das Telefon nicht aus meinem gemütlichen Zuhause entführt. Reservedienst oder STBY, wie es in der neuen Firma heisst (man gewöhnt sich genau so schlecht an die neuen Ausdrücke wie an die neue Firma…...) sind sehr wohl strukturiert! Das beginnt schon am Vorabend. Eine Rasur am Abend kann am Morgen wertvolle Minuten bedeuten, die man dann wieder vor dem Gubrist im Stau verbringt. Auch die notwendigen Accessoires wie der neue vaio, Leo's Turnschuhe sowie die wichtigsten Kleider sind schon im Koffer bereit oder wie im Falle des vaios zumindest schnell verpackt. Am Tage der Reserve macht man sich dann nach dem Aufstehen Gedanken, wo man sich am Abend ins Bett legt. Ein Anruf in den ersten Stunden bedeutet dann meisten sein Nachtlager in Amerika aufzubauen. Boston wäre wieder einmal fällig, die Lobster sind dort fantastisch. Auch Montreal ist nicht schlecht. Joggen in der Früh auf dem ‚Mont Jolie’ entschädigt für die Tatsache, dass die wirklich netten Montrealer ein schreckliches Französisch sprechen. Los Angeles als Stadt ist auch nicht schlecht, wäre da nicht die Zeitverschiebung. Neun Stunden sind recht happig. Um 2 Uhr in der Früh wach, um 6 Uhr joggend am Strand und am Nachmittag schlafend im Kino. Dann schon lieber New York. Nur 6 Stunden Unterschied aber leider ein Hotel neben der 'Ladder 26'. Ladder 26 ist eine Feuerwehrstation, die besonders Stolz auf ihre Sirenen sein muss. Auch hier frühe Tagwache und Joggen im Morgengrauen garantiert.
Das Biwak in Amerika scheint sich zu verabschieden. Der Zeiger der Uhr ist schon über 12 und auf DRS1 läuft das Mittagsjournal. Jetzt winkt Japan. Langer Flug aber ausgezeichnetes Essen, eine spannende Stadt, schräge Leute und ein traumhafter Rückflug am Tag über Sibirien wo man all die Flüsse aus den Kreuzworträtseln einmal live anschauen kann. Der Zeiger der Uhr bewegt sich vorwärts. Auch dieser Flug ist schon bald über den Dächern von Winterthur. Jetzt wird es spannend. Um 16 Uhr geht mein ungeliebter Flug Richtung Newark. Bei den Passagieren beliebt und von mir gehasst. Was soll ich bloss in New Jersey? Es gibt wohl einen Bus nach Manhattan, aber da kann ich ja gleich nach JFK fliegen! Bald wird klar, wieder einmal Glück gehabt, auch LX18 ist weg.
Die Staumeldungen am Radio werden länger und vor Birmensdorf versuchen die Pendler zum x-ten Mal der Blechlawine zu entkommen. Noch ein paar Optionen stehen offen. Die wohl bequemste ist schnell als Passagier nach Genf um dann Morgen von der Stadt am Lac Léman an die Stadt am Houston River zu fliegen. Das gäbe einen gemütlichen Abend in Crew House in Genf mit guten Gesprächen und sicherlich ein paar Bieren. Vor allem hätte ich im Gegensatz zu den anderen noch ausstehenden Möglichkeiten ein anständiges Bett am Abend. Die anderen Möglichkeiten heissen Bangkok, Hongkong, Sao Paulo, Johannesburg oder Nairobi. Alles super Destinationen, über die ich sicherlich später noch etwas schreiben werde, aber eben - es muss mit einer Freinacht teuer bezahlt werden. Was soll man da nur packen? Über 30° am Schatten aber unter 18°C in den Beizen. Probleme haben wir :-)

Die Zeit läuft und Coni kommt bald nach Hause. Zeit zu kochen und den evtl. freien Abend vorbereiten. Bier darf ich erst um 20 Uhr trinken nach einem happigen 12 Stunden Tag! Morgen dann wieder der gleiche Stress - da soll mal einer Sagen wir Langstreckenpiloten hätten einen 'Schoggijob'!