Donnerstag, November 05, 2009

Closed Loo Principle

Wichtige Handgriffe pflegen wir im Cockpit gemeinsam zu erledigen. Wir überwachen uns gegenseitig und nennen das respektvoll «Closed Loop Principle». Diese Überwachung ist wichtig und verhindert Fehler. Trotzdem gibt es Handlungen, bei denen man ab und zu selber Hand anlegen muss.

Spätestens nach einer Stunde im Crewbunk sollte in die Seitenlage gewechselt werden. Der Rücken schmerzt, der Nacken ist blockiert und die Blase droht zu platzen. Natürlich würde der Gang auf die Toilette Erleichterung bringen, doch dann wäre die wunderbare Schwere im Körper wie weggeflogen. Also vorsichtig die Beine anziehen, das Schienbein unter dem praktischen Tablar hindurchzwängen und weiter träumen. Was der Blase Entspannung bringt, belastet den linken Arm. Er findet auf der schmalen Unterlage keinen Platz und hängt regungslos über dem schmutzigen Teppich.

Eine weitere Stunde später schläft nur noch der linke Arm. Durch den Druck auf die Gefässe wurde die Blutzufuhr unterbrochen und nur ein leichtes Kribbeln bestätigt, dass dieses schlaffe Teil zum eigenen Körper gehört. Die Extremität ist nicht nur taub, sondern dank der Zugluft auch unterkühlt. Dies wirkt sich wiederum negativ auf die Stimmung der Blase aus. Die Entleerung duldet keinen Aufschub mehr.

Ist der Kopf hart am oberen Bett aufgeschlagen, das Hemd zugeknöpft, die Hose geschlossen und die Frisur im Lot –, kann die Crewbunktür guter Hoffnung geöffnet werden. Nur zwei Schritte trennen den schlaftrunkenen Copiloten vom Ort der Erleichterung. Zwei Schritte nur, um eine drohende Katastrophe abzuwenden. Doch die Chancen auf eine freie Toilette stehen vor der Landung etwa ähnlich schlecht, wie die auf den Hauptgewinn bei der «Euro Millions» Ziehung. Kein Wunder, möchten sich doch acht Gäste aus der ersten Klasse nach dem langen Aufenthalt unter der Daunendecke etwas frisch machen, ihren Schlafanzug ausziehen und allerlei Duftstoffe verteilen. Mit Schminkkoffer in der einen und dem «Deux Pièces» in der anderen Hand, verschwindet die Dame von 1A einen winzigkleinen Moment vor mir im engen Raum.

Ein «Ratsch» quittierte meine schmerzliche Niederlage. Mit diesem «Ratsch» wechselt der Schieber von Rot nach Grün. Grün, die Farbe der Hoffnung – Gelb, die meiner Augen! Minuten später ein erster Hoffnungsschimmer: die Spülung wird betätigt. Ein Mann würde sich jetzt noch kurz die Hände waschen, einen letzten Kontrollblick tätigen und das Klo schnellstmöglich verlassen. Nicht so die Dame von 1A. Mit zwei gut hörbaren «Klonk» wird der Schminkkoffer aus edler Manufaktur geöffnet. Als Zuhörer kann man nur ahnen, wie lange die sanfte Renovation der Aussenfassade von 1A dauern könnte. Zur Ablenkung hüpft der geplagte Copilot von einem Bein auf das andere und lenkt sich ab. Den angebotenen Espresso hätte er gerne getrunken, muss ihn aber aus Kapazitätsgründen ins Holding schicken.

Eine Ewigkeit später die Erlösung. Ein «Ratsch» und aus Rot wird Grün – endlich! Aus dem Nichts kommend schiesst der Kapitän an mit vorbei und bittet um Entschuldigung. Schliesslich sei man bald im Anflug, schliesslich warte anspruchsvolle Arbeit im Cockpit.
Wieder «Ratsch».

Brutal, es wäre so schön gewesen.

Sein Geschäft hat er schnell erledigt. Eine Minute später steht er vor mir. In meinen Augen kann er die nackte Panik ablesen. Denn auf 2A erhebt sich ein Mann und läuft zielstrebig Richtung Toilette. Ich will am Kapitän vorbei, kann aber nicht. Dieser steht im Weg und schlürft genüsslich den Espresso, der eigentlich für mich vorgesehen war. Dabei verstellt er den Durchgang für den wartenden Copiloten, was Passagier 2A geschickt ausnutzt. «Ratsch» und der Schieber steht wieder auf Rot. Aus Verzweiflung beisse ich in ein fettiges Croissant und schaue mich nach Alternativen wie leeren Champagnerkübeln oder Pet-Flaschen um. Aus Sekunden werden Minuten, aus Minuten Stunden.

Lange nachdem ein leuchtendes Symbol die Passagiere an den Sitz fesselte, verlässt 2A das Klo. Die Erleichterung lässt sich nicht in Worte fassen. Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. Schon beim nächsten Flug wird sich das Theater wiederholen. Darum reden Copiloten, die in der zweiten Schicht schlafen müssen, auch vom «Closed Loo Principle».

umgezogen, enttäuscht und zurück

Liebe Leser

die alte neue Seite hat mich enttäuscht. Weder Geschwindigkeit, noch Layout haben mich befriedigt. Vielleicht erklärt sich damit auch meine Schreibfaulheit in den letzten Wochen.

Unter neuer (und alter) Adresse findet man ab subito wieder das vertraute Layout und den hoffentlich lesenswerten Artikeln.

Dienstag, September 15, 2009

von Baustellen und Umzügen

Gerne wettern Autofahrer in den Sommermonaten über die vielen Löcher und Absperrungen auf dem Belag, der ihnen das Leben bedeutet. Zu allem Elend wird jetzt an dieser Stelle auch alles aufgerissen und umgebaut. Flexibilität heisst das Zauberwort, Anpassung und Angewöhnung.

Ich leite sie, liebe Leser, jetzt mit Geschickt um all die Hindernisse herum und führe sie direkt auf meine neue Seite. Wer subito zum noch fast leeren Blog gelangen möchte, klickt hier. Wer zuerst über die Haupt- auf die Neben- und dann auf die Blogseite navigieren möchte, klickt hier.

Natürlich verstehe ich all die treuen Leser, die ab heute auf einer halbfertigen Seite lesen müssen. Das ist so wie im richtigen Leben, fertig werden die Baustellen nämlich nie.

Zum Schluss möchte ich mich mit allen Ehren von splitduty.blogspot.com verabschieden. 381 Geschichten habe ich aus aller Welt auf dieser Plattform gepostet. Begrüssen wir das neue Kind, es heisst

flugschreiber.ch

Samstag, September 05, 2009

JJ

Als «JJ» werden in den Bündner Bergen die wieder zugewanderten Bären bezeichnet. Meine Frau nennt mich auch schon JJ. Drei Wochen Ferien sind hinter mir und der wohlverdiente Winterschlaf hat mir gut getan. Meine Abneigung gegen Rasuren zeigt sich am Pelz im Gesicht und die rigorose Beeren- und Gemüsediät meiner Frau bescheren mir erste Erfolge beim Besteigen der Waage. Zum Glück haben wir in unserer kleinen Wohnung eine Dusche, sonst würde ich auch wie JJ riechen.

Gefahr droht mir im Moment nur von der Bündner Hochjagd und meinem irrationalen Ehrgeiz bei der Abfahrt auf Serpentinen mit dem Mountainbike aus edlem Material. «Carbon statt Kondition» haben neulich zwei Steinböcke in einem Werbevideo einem alternden Sportler nachgerufen. Ich passe ziemlich genau in dieses Bild.


Seit man mit Hilfe dem iPhone die gefahrene Strecke, die Geschwindigkeit und das Höhenprofil nach der Fahrt analysieren kann, mache ich mir auch keine Illusionen mehr über meinen Fitnesszustand. Auf zwei Stellen genau sehe ich meine gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit. Mit der Marke, die ich vor zwanzig Jahren beim Joggen erreichen musste, bin ich heute auf dem Rad zufrieden. Die Zeiten ändern sich, aber das ist auch gut so.

Auf meiner Joggingrunde über Stock und Stein hat mich letzte Woche eine Läuferin überholt, die zur Musik im Ohr summte und roch, als wäre die Parfümabteilung vom Jelmoli gleich um die Ecke. Da bevorzuge ich die Duftnote von «JJ».

Noch zwei Wochen bleibe ich in den Bergen. Zwei Wochen mit viel Bewegung, ohne Rasur und mit ordentlich Bärennahrung. Mögen mich die Jäger verschonen und mein Bike auch. Ohne Carbon komme ich gar nicht mehr die Berge hoch!

Dienstag, August 25, 2009

schlaf, Copi schlaf


Schlaf, Copi, schlaf.
Der Captain hüt' die Schaf,
die Cockpittür wird zugeknallt,
im Galley wird ganz laut gelallt.
Schlaf, Copi, schlaf.

Schlaf, Copi, schlaf,
jetzt schnarcht auch der Chef ganz brav
der Autopilot ist das Lämmerlein,
der ATHR das Schäferlein.
Schlaf, Copi, schlaf.

Schlaf, Copi, schlaf.
diese FDRs sind eine Straf
der Crewbunk der ist unbequem
und laut wie Mozarts Requiem
Schlaf, Copi schlaf.

Schlaf, Copi, schlaf.
auch wenn du bist jetzt schlaff
musst du machen die Landung
Punktgenau und mit viel Schwung
Brav, Copi brav.

Eine Woche meiner langen Ferien sind jetzt um. Jeden Abend ging ich knapp nach dem Eindunkeln ins Bett und schlief zehn Stunden durch. Dazu gesellte sich über die Mittagszeit eine Siesta von mindestens 90 Minuten. Und wissen sie was? Ich bin immer noch müde.

Mein Körper braucht die Ruhe. Er schreit förmlich nach Schlaf und lässt mich das auch spüren. An Anlässen nicke ich ein und nicht mal ein Spielfilm am Fernsehen kann ich geniessen, ohne dass meine Augen sich schliessen und der Kopf zur Seite kippt. Normal finde ich das nicht.

Auch die Luftfahrtsicherheitsbehörde der Europäischen Union, die EASA, findet das nicht normal und hat eine Wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Diese so genannte «Moebius-Studie» hat sich kritisch mit den geltenden Flugdienstvorschriften auseinandergesetzt. Die Wissenschaftler haben 18 Punkte kritisiert, die sicherheitsrelevant sind und zur Übermüdung der Flugbesatzungen führen. Natürlich kritisierten die Airlines die Ergebnisse der Studie. Der Ball liegt jetzt bei der Politik.

Selbstverständlich dürfen die Pilotenverbände zu diesem Thema nicht schweigen. Unter dem Titel «Flying drunk … or too tired to care?» veröffentlichte die IFALPA im Oktober 2007 einen lesenswerten Artikel zum Thema Müdigkeit. Im Text wird darauf hingewiesen, dass die Reaktionszeit bei Wachperioden von grösser 16 Stunden ähnlich der nach starkem Alkoholkonsum sei. Laut einem Artikel im TIME Magazin entspricht eine Wachperiode von zwanzig Stunden 0.8 Promille Alkohol im Blut. Nicht von ungefähr raten uns mitfliegende Polizisten immer wieder, dass wir nach Nachtflügen besser nicht mit dem Auto nach Hause fahren sollen.

Vor nicht langer Zeit habe ich einen Piloten interviewt, der 1994 mit etwas über 12‘500 Flugstunden pensioniert wurde. Kolleginnen und Kollegen, die heute in die Linienfliegerei eintreten, werden voraussichtlich mit 25‘000 Flugstunden in den Ruhestand geschickt – also mit genau dem Doppelten.

Unsere Körper rebellieren bereits dagegen, unser Geist noch nicht. Das müssen wir ändern!

Freitag, August 21, 2009

mein Flug mit Griess-Air

Würden ausgewählte Handwerksbetriebe eine Airline führen, dann blieben die Sitze wegen des zu erwartenden Chaos mit Bestimmtheit leer. Trotzdem buchte ich einen Sitz auf der renommierten Griess-Air, die gemäss eigener Internetseite behauptet, dass sich der Kunde um nichts mehr zu kümmern braucht. Der Name Griess-Air ist übrigens erfunden und Ähnlichkeiten mit existierenden Firmen sind nicht beabsichtigt.

«Guten Tag, leider sind alle unsere Speziallisten im Moment besetzt. Bitte haben sie einen Moment Geduld.» Für 25 Rappen die Minute singt mir Michael Jackson einen Thriller vor. Nach 75 Rappen hört das Kreischen auf. Immerhin – hätte ich den Song im iTunes Store gekauft, er wäre doppelt so teuer gekommen. Draussen schneit es, wir schreiben den 3. März.
«Grüezi, wie kann ich ihnen helfen?»
«Ich würde gerne einen Flug nach New York buchen»
«Wann soll die Reise dann stattfinden?»
«So bald als möglich.»
«Reisen sie allein?»
«Nein, meine Frau und der Hund begleiten mich.»
«Oh, das wird kompliziert.»
«Warum?»
«Für Männer ist eine andere Abteilung zuständig als für Frauen. Hundetransporte haben wir ausgelagert.»
«Mir ist eigentlich Wurst, wie sie ihre Firma organisieren. Geht es oder geht es nicht.»
«Ich schicke einen Berater vor Ort. Wann passt es ihnen?»
«Nächsten Dienstag.»
«Dienstag ist gut. Er kommt zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.»
«Geht es nicht ein bisschen genauer?»
«Was stellen sie sich vor? Wir haben noch andere Kunden!»

So sass ich am folgenden Dienstag erwartungsvoll in der Küche und wartete auf den Kundenberater. Er kam um 14 Uhr, mass mich, meine Frau und den Hund aus und versprach, sich bald wieder zu melden. Drei Wochen später traf der Kostenvoranschlag ein. Der Fachmann riet mir aufgrund meiner Grösse in der Businessklasse zu reisen und meine Frau als Verwöhnprogramm in der First zu buchen. Es sei zwar etwas teurer, dafür luxuriöser. Den Hund würde er vom hinteren ins vordere Compartement upgraden, und das ganz ohne Zusatzkosten. Wir akzeptierten das Angebot und freuten uns den Flug.

Am Reisetag klebten wir wie kleine Kinder an der Scheibe des Flughafens und schauten, wie breitschultrige Männer unser erstaunlich kleines Flugzeug mit Hund und Koffern beluden. Minuten später liefen wir die Passagierbrücke hinunter und nahmen Platz. So geräumig war die Businessklasse auch nicht, doch «who cares», schliesslich ging es endlich los.

Man schrieb Mitte Mai, als wir Richtung Startpiste rollten. Ich fragte den Piloten noch, ob wir mit dieser kleinen Klapperkiste denn wirklich nach Übersee kämmen? Er bejahte und wir stiegen langsam gegen den Himmel. Schon über Basel begann der Propeller zu stottern. Das Benzin sei ihm ausgegangen, sagte der schwitzende Flugzeugführer. Er hätte die Tankkapazität der Cessna 152 scheinbar doch überschätzt.

Am gleichen Abend hörte ich wieder Michael Jackson zu, der damals übrigens noch lebte. Drei Minuten später war klar, dass ich den Song gescheiter bei iTunes gekauft hätte – es wäre billiger gewesen. Neuer Termin: Ein Tag im Juni, irgendwann zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Im Juni ein weiterer Versuch. Die Maschine war grösser und der Sitzabstand auch. Alles klappte prima bis über der Stadt Paris. Sie hätten ein Flugzeug ohne Druckkabine erwischt, entschuldigte sich die Hostess. Dass wir neuerlich nach Zürich zurückkehren müssen sei sicherlich auch in unserem Sinn. Der Hund stehe noch auf dem Vorfeld – jemand vergass ihn einzuladen.

Aerosmith krähten mir «Crying» ins rechte Ohr und ich wartete neuerlich vier Minuten am Telefon. Wir seinen schwierige Kunden, informierte mich die Telefonfee, aber sie versuche alles menschenmögliche, dass wir einen neuen Termin ohne übliche Wartefrist bekämen. Schliesslich stehen die Sommerferien vor der Tür und man sei mit Personal eher knapp bestückt. Ich wiederholte, dass mich die Organisation ihrer Firma nicht interessiere. Das überhörte sie höflich. Nächster Termin: Ein Tag im September zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr. Dass wir im September in den Ferien seinen, nahm sie mit einem Stöhnen zur Kenntnis. Definitiver Termin: Ein Tag im Oktober zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Im Oktober fiel das erste Laub von den Bäumen. Die Triebwerke heulten auf und ein lauter Knall ertönte. Startabbruch und zurück an den Standplatz. Ein Mechaniker schlug mit einem grossen Vorschlaghammer auf das rechte Triebwerk, worauf der Pilot mit rotem Kopf das Fenster öffnete: «Es ist das Linke du Idiot!» Der Mechaniker zuckte mit den Achseln und schlug mit doppelter Wucht auf eben das Linke. Den Piloten schien das zu befriedigen und er rollte zur Piste. Ohne Probleme hob die Röhre ab und ohne Verspätung erreichten wir New York. Hund war da, Koffer war da und die Frau auch.

Beim Einchecken für den Rückflug standen wir vor dem Schalter, wo uns eine Dame anwies, die 0848 Nummer der Griess-Air zu wählen. Ich ahnte nichts Gutes, Reinhard Mey schon. Er sang von der Freiheit über den Wolken, nicht ohne 25 Rappen pro Minute dafür zu kassieren.

Sie müsse mir sagen, dass der Flieger mit beiden Triebwerken Probleme hätte. Irgend ein Volltrottel hätte vor Jahresfrist mit einem grossen Hammer auf die Motoren geschlagen und sie irreparabel beschädigt. Das sei die schlechte Nachricht, aber es gäbe auch eine gute. Ein Team von Speziallisten sei unterwegs nach New York, hätten neue Motoren dabei und werden die defekten Teile so schnell wie möglich auswechseln. Wir warteten.
Ein kompetenter Chefmechaniker trat eine Stunde später in die Lounge und informierte die Fluggäste über die Reparatur. Und zwar so freundlich, wie er es am Kundenbindungsseminar lernte. Schliesslich agiere Griess-Air so, dass sich die Kunden um gar nichts zu kümmern hätten, betonte er lässig an der Theke stehend. Von hinten schlich sich ein bleicher Lehrling heran und flüsterte gut hörbar für alle Beteiligten genau den Satz ins Ohr, den wir alle irgendwie erwartet hatten: «Chef, wir haben die Motoren in Zürich vergessen.»

Nächster Termin: Tag unbekannt, aber bestimmt zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Dienstag, August 18, 2009

von der Leichtigkeit des Fliegens

Oft werde ich gefragt, ob das Fliegen eines Airbus schwer sei. Ist es nicht, was dieser Beitrag beweist.

Nach dem Studium der SWC schauen wir kurz auf das TAF und das METAR, bevor wir das TOI begutachten. Es lohnt sich auch das SIGMET genau zu studieren, denn MOD TURB sind nicht wirklich angenehm. Hurtig die DIST und den GCI überprüfen und dann das FOB bestimmen. Schon ist die Planung abgeschlossen.

Derweil sitzt die Kabinenbesatzung im Kreis herum und die F/A‘s bekommen vom M/C Informationen über HONs und SENs. Weiter muss das FCG wissen, wie viele KSML geladen sind und ob PAX 1A wirklich ein VLML und nicht ein VGML will.

Die Kolleginnen in der YCL freuen sich über Flugnachwuchs und die 5 geladenen CHML. Ein WHCR sitzt in der CCL und ein VIP auf 2A. Die Küchenchefs werden darauf hingewiesen, dass die HSG durch CSG ersetzt wurden. Kein Wunder bei dieser Hitze!
Ich sitze wenige Minuten später im Cockpit und füttere die MCDU mit dem FLP. Das FOB stimmt und die MEL muss aufgrund des guten Zustandes der HB-JMA nicht kontaktiert werden. Nach dem Abspulen der Checkliste höre ich das ATIS und rufe die DLV auf. Gottseidank, wir kriegen das DEGES 1H und nicht das DEGES 2F!

APN gibt und die CLR zum zurückstossen und wir lassen die ENG1 an. ENG2, 3 und 4 folgen. ECHO sollen wir nehmen und short of 28 stoppen. Es muss der GND gerufen werden, bevor wird den RWY crossen dürfen. Ach, diese Funkerei! Zum Glück gibt es an vielen Orten der Welt CPDLC und PDC!

Der TWR gibt uns die Freigabe. Der CMD setzt T/O PWR, den wir mit FLEX 32 künstlich reduziert haben. Es rollt – V1, VR und V2 – das Flugzeug steigt mit einem ROC von ein paar Hundert FT in den Himmel und CLB THR wird gesetzt.

Soll mal einer sagen Fliegen sei schwer!

Sonntag, August 16, 2009

Schweinegerippe

Es ist Samstagabend hier in Montréal. Die Sonne wärmt die Stadt auf über 30° Celsius auf und die ausgehfreudigen Québécoises flanieren leicht gekleidet durch die Gassen. Mit viel Glück finden sieben durstige Crewmitglieder einen freien Platz mit Blick auf die Flaniermeile und lassen kühlen Gerstensaft durch ihre trockenen Kehlen laufen.

Lange geht es nicht, bis sich die Diskussionen um das Thema Schweinegerippe drehen. Man ist sich einig, dass Hygiene im Umgang mit Schweinegerippe von immenser Wichtigkeit ist. Regelmässige Reinigung der Hände mit Feuchttüchern und respektvolle Distanz zum Nachbarn sind wohl die wichtigsten Regeln, die es zu beachten gibt.

Auch das beliebte Küssen als Begrüssung ist tunlichst zu unterlassen. Unangenehm könnten die Folgen beim zärtlichem Berühren der Wangen sein, wenn eine davon vorher mit Schweinegerippe in Kontakt kam.

Ein fachmännischer Blick nach links und rechts bestätigt mir, dass dieses Lokal die Regeln im Umgang mit Schweinegerippe einhält. Feuchttücher liegen im Dutzend herum und frisch gewaschene Servietten werden gleich doppelt abgegeben. Nach einer kurzen Rücksprache mit dem Kapitän wage ich es und bestelle eine grosse Portion «Spare Rips». Herrlich dieses grillierte Schweinegerippe!